Welttourismustag 2026: KI als Turbo für eine nachhaltige Tourismusentwicklung?
„Digitale Agenda und künstliche Intelligenz zur Neugestaltung des Tourismus.“ Dieses Motto hat UN Tourism, die Tourismusorganisation der Vereinten Nationen, zum diesjährigen Welt-Tourismustag ausgegeben. Aber wohin soll die Reise gehen?
Künstliche Intelligenz verändert, wie wir reisen: Sie empfiehlt uns Reiseziele, automatisiert Buchungen, liefert Informationen, plant Routen … und beeinflusst zunehmend, welche Orte sichtbar sind. Wie schnell sich diese Entwicklung vollzieht, zeigt auch eine aktuelle Studie der Österreich Werbung: 13 Prozent der Reisenden in zehn untersuchten europäischen Ländern gaben an, sich bei der Wahl ihres Sommerreiseziels 2026 von der Künstlichen Intelligenz inspirieren lassen zu wollen. Vor eineinhalb Jahren waren es erst 3 Prozent. „Die Frage ist nicht, ob KI den Tourismus verändern wird. Die Frage ist, welchen Tourismus wir mit ihrer Hilfe gestalten wollen“, betont Andrea Lichtenecker, Geschäftsführerin der Naturfreunde Internationale.
Auf der einen Seite hat künstliche Intelligenz durchaus Potenzial, Tourismus nachhaltiger zu gestalten. Besucher*innenströme können analysiert und gelenkt, Überlastungen sensibler Naturräume frühzeitig erkannt und Mobilität effizienter geplant werden. Auch beim Management von Energie, Wasser und anderen Ressourcen können digitale Systeme Hotels und Destinationen unterstützen.
Chancen bietet KI auch für kleine und lokale Unternehmen. Sie kann ihre Sichtbarkeit erhöhen, bei Marketing und Kommunikation unterstützen, Services verbessern und neue Angebote oder Geschäftsmodelle ermöglichen. Automatisierung kann Beschäftigte zudem bei Routinetätigkeiten entlasten. Gleichzeitig verändert sich die Arbeitswelt: Der digitale Wandel erfordert neue Kompetenzen und entsprechende Möglichkeiten der Bildung und Qualifizierung.
Zweischneidiges Schwert
Auf der anderen Seite kann Digitalisierung bestehende Probleme verstärken. Algorithmen, Plattformen und Influencer*innen beeinflussen zunehmend, welche Destinationen wir wahrnehmen und wohin wir reisen. Immer wieder erleben wir, dass einzelne Orte und Destinationen auf Instagram und Co. gehypt und damit innerhalb kürzester Zeit von Reisenden überlaufen werden – mit negativen Folgen für die Natur, die Infrastruktur und die lokale Bevölkerung.
Damit stellt sich auch die Frage, wem die touristische Wertschöpfung zugute kommt. Wenn internationale Plattformen zunehmend darüber entscheiden, welche Angebote sichtbar sind und gebucht werden, könnten lokale Betriebe und Gemeinschaften auf der Strecke bleiben.
Und eines dürfen wir nicht ausblenden: Die Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Energie und Wasser und beanspruchen zugleich erhebliche Flächen.
Der Mensch im Mittelpunkt
Technologie kann uns bei der Reiseplanung unterstützen und vieles einfacher und effizienter machen. Aber sie kann nicht das ersetzen, was ein nachhaltiges Reiseerlebnis im Kern ausmacht: Menschen. Gastfreundschaft, persönliche Begegnungen, kultureller Austausch und lokales Wissen geben einem Ort seine Identität und einer Reise ihre besondere Qualität. Genau diese menschlichen und lokalen Erfahrungen machen nachhaltigen Tourismus aus – und können durch KI nicht ersetzt werden.
In diesem Sinn unterstützen wir den Aufruf von UN-Generalsekretär António Guterres zum Welt-Tourismustag 2026: „Lasst uns eine digitale Zukunft für den Tourismus gestalten, die offen, inklusiv und menschlich ist – und diese neuen Instrumente nutzen, um eine nachhaltige Entwicklung für alle voranzutreiben!“
Weitere Informationen:
UN-Tourism: www.untourism.int/world-tourism-day-2026
Publikation „KI und Reisen“: https://b2b.austria.info/de-at/wissen/studien-und-berichte/potenzialstudien/ki-und-reisen/
Kontakt:
Naturfreunde Internationale
Anna Kodek
1150 Wien, Viktoriagasse 6/1
+43 677 619 529 88
anna.kodek@nf-int.org
www.nf-int.org
Die Arbeit der Naturfreunde Internationale zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus und zur Vermittlung der SDGs wird im Rahmen des Projekts „Reisen mit Respekt“ von der Austrian Development Agency gefördert.