NaturfreundInnen im Gespräch

Hynek Pečinka | Präsident von Přátelé přírody z. s. (Naturfreunde Tschechien) Hynek Pecinka

Hynek Pečinka, Präsident von Přátelé přírody z. s. (Naturfreunde Tschechien), spricht im Interview über seine Teilnahme am „Naturefriends Sports for All“-Projekt und die vielen neuen Ideen, die mit den Mitgliedern geteilt werden sollen. Er freut sich auf die nächsten internationalen Begegnungen mit anderen Naturfreunde-Gruppen.

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Du bist schon seit vielen Jahren für die Naturfreunde Tschechien aktiv. Wie bist du zu den Naturfreunden gekommen und was hat dich bewogen, dich all die Jahre zu engagieren? Was waren bisher deine beeindruckendsten Momente bei Přátelé přírody z. s.?
Meine Karriere in „grünen Bewegungen“ begann ich bereits 1990 als Pfadfinder und schloss mich später jungen Umweltschützern an. 1995 wurde ich Mitglied der Organisation Duha, die damals die Jugendorganisation der Naturfreunde Tschechien war. Ich habe in der Ortsgruppe in Olmütz in der Jugendarbeit begonnen und bin schließlich Vizepräsident der gesamten Landesorganisation geworden. Im Jahr 2010 hatte ich das Gefühl, dass ich eine Pause oder einen Wechsel von der Jugendarbeit brauche, und deshalb gründete ich zusammen mit mehreren Personen eine lokale Gruppe in Olmütz, die „erwachsenen Naturfreunde“, und begann, Outdoor- und Kulturaktivitäten für Erwachsene zu organisieren. Heute hat die lokale Gruppe 70 Mitglieder und führt mehr als 60 Veranstaltungen pro Jahr durch. Seit 2010 bin ich auch im Vorstand der tschechischen Naturfreunde aktiv und versuche unsere Mitglieder zu motivieren, die Dinge voranzutreiben, zu kooperieren und auf lokaler und nationaler Ebene sichtbarer zu werden.

Ich kann mich an mehrere Dinge erinnern, die zeigen, dass meine Bemühungen Früchte tragen. Im Jahr 2012 begannen wir, einmal im Jahr ein 4-tägiges nationales Treffen zu organisieren – und  diesen Oktober trafen sich die Menschen zum siebten Mal; es freut mich, ihre Freunde aus anderen lokalen Gruppen und auch einige neue Gesichter zu sehen. Auch der bundesweite „Tag der Naturfreunde“ findet bereits seit mehreren Jahren statt und macht uns in den Gemeinden sichtbar, in denen unsere lokalen Gruppen arbeiten. Aber was mich am meisten beeindruckt hat, war die Busfahrt zur Auftaktveranstaltung der Landschaft des Jahres Oberrhein, bei der wir die Grenzregion der drei in der Kampagne eingebundenen Länder – Deutschland, Schweiz und Frankreich – kennen lernen durften. Mehr als 50 tschechische NaturfreundInnen haben daran teilgenommen und verbrachten über eine Woche zusammen, viele der Freundschaften halten bis heute – und ihr wisst, dass die persönliche Einstellung jede Struktur und auch unsere Bewegung stärker macht.

Was mich bewegt, meine Zeit in diese Dinge zu investieren? Es ist einfach mein Lebensstil, ich mag Menschen und ich mag es, sinnvolle Dinge für sie und mit ihnen zu tun. Und ich denke auch, dass jede/r etwas Gutes für die anderen zurücklassen und das zurückgeben sollte, was er/sie einmal erhalten hat.
 
Přátelé přírody z. s. ist einer der kleinen Mitgliedsverbände der NFI. Was bedeutet es für euch, Teil der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu sein? Wie bringt ihr euch ins internationale Netzwerk der NFI ein – und wie profitiert ihr davon?
Ein Teil einer internationalen Struktur zu sein, bedeutet viele Möglichkeiten für jede/n, der/die die Welt um sich herum von einer anderen „Flughöhe“ aus sehen möchte. Die Tatsache, dass die tschechischen Naturfreunde Teil einer größeren Familie von Gleichgesinnten sind, öffnet uns ein Tor zur Zusammenarbeit: Reisen, Begegnungen mit interessanten Menschen, Mitwirkung an Entscheidungen, die auch uns betreffen, und Austausch von Erfahrungen und Wissen. Einfach gesagt bedeutet es, international zusammenzuarbeiten und voneinander in Bezug auf die jeweiligen Besonderheiten zu lernen.

Unser Motto lautet: „Wir sind von Natur, Geschichte und Kultur begeistert. Wir mögen es, die Welt um uns herum zu gestalten.“ Und die Zugehörigkeit zur Naturfreunde-Bewegung hilft uns, neue Impulse zu erhalten und auch unser Know-how in diesen Handlungsfeldern zu teilen.

Ihr nehmt dieses Jahr am Erasmus+ Projekt „Naturefriends Sports for all“ teil. Die Verbände sollen damit Tools in die Hand bekommen, mit denen sie Natursportangebote für Menschen mit Behinderungen entwickeln können. Im Frühjahr und im Herbst gab es Workshops zu den Themen barrierefrei Wandern und Klettern. Was nehmt ihr mit zurück zu Přátelé přírody z. s.? Welche Angebote möchtet ihr entwickeln?
Die meisten unserer lokalen Gruppen sind im Outdoor-Sport wie Wandern oder Skifahren aktiv, einige von ihnen haben bereits erlebt, dass eine Person mit Behinderungen an einer Outdoor-Veranstaltung teilnimmt, aber für einige von ihnen ist es ein neues Thema. Deshalb haben wir die Idee des Projekts „Sports For All“ begrüßt, unsere TeilnehmerInnen zu den Workshops geschickt und das Projekt in unseren lokalen Gruppen beworben. Wir möchten die gewonnenen Erkenntnisse in einem einwöchigen Workshop im kommenden Jahr weitergeben, damit unsere OrganisatorInnen offener für gemeinsame Aktivitäten für Menschen mit und ohne Behinderungen sein können und selbstbewusster und besser auf alle Eventualitäten vorbereitet sind, die bei der Organisation solcher Veranstaltungen auftreten können. Soweit ich weiß, gibt es in Tschechien nicht so viele NaturfreundInnen, die klettern. Deshalb werden wir uns in unserem Workshop auf das Wandern konzentrieren.

Im Oktober fand die Jahreskonferenz der Naturfreunde Internationale in Wien statt, bei der viele Ideen für zukünftige Aktivitäten diskutiert wurden, wie zum Beispiel der „Global Naturefriends Day 2020“ oder die Fortsetzung des Erasmus+ Projekt diskutiert wurden. Welche Aktionen wären für euch besonders attraktiv?
Ich persönlich begrüße alle Aktionen, die die Naturfreunde Internationale nicht zu einer Plattform von Chefs der nationalen Verbände machen, sondern Möglichkeiten direkt für die Mitglieder bieten. So ist beispielsweise die Information, dass man an einem Workshop mit NaturfreundInnen aus anderen Ländern teilnehmen kann - und nicht als Delegierter an einer Konferenz - für die einzelnen Mitglieder wahrnehmbar – und damit kann man auch besser argumentieren, wenn man gefragt wird, wofür die NFI gut ist.  Ich würde daher Projekte bevorzugen, die sich auf grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Erfahrungsaustausch oder gemeinsame Kampagnen mit konkreter Wirkung konzentrieren, wie den weltweiten Naturfreunde-Tag. Dies ist wertvoller als Tonnen von Positionspapieren und Erklärungen.

(November 2018)


Přátelé přírody z. s.
 

 

Sékou Kader NANAMOU | Präsident der Naturfreunde Guinea  (ALUSFADE-GUINEE)Sekou Kader Nanamou 
 

Sékou Kader NANAMOU ist der Präsident der Naturfreunde Guinea, die im Oktober mit der Umsetzung des aktuellen Projekts des Naturfreunde-Klimafonds begonnen haben. Im Interview spricht er über dieses Projekt und über die Arbeit der Naturfreunde in Guinea. 

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Die Naturfreunde Guinea haben gerade mit der Umsetzung des aktuellen Projektes des Naturfreunde-Klimafonds im Biosphärenreservat der Nimba Berge begonnen. Was soll mit diesem Projekt erreicht werden? 
Das Projekt soll in der Bevölkerung Guineas, aber insbesondere bei den Menschen, die in den Nimba Bergen leben, Bewusstsein für den Klimaschutz schaffen. Wir informieren und zeigen den Menschen, wie verbesserte Kochstellen funktionieren – so werden sie sehen, dass sie damit einen Beitrag gegen die Rodung der Wälder und gegen die globale Erwärmung leisten können.  
Weiters soll das Projekt lokale Behörden, und letztlich auch die Regierung, dazu ermutigen, Maßnahmen zur Minderung der Auswirkungen des Klimawandels zu ergreifen bzw. zu verstärken. Und es ist durchaus möglich, dass Partnerschaften geschlossen werden, um Synergien von Aktionen und Maßnahmen in anderen Teilen des Landes zu erzielen.  
 
Was unterscheiden denn die neuen Kochstellen von den traditionellen? 
Die Unterschiede sind enorm! Im Gegensatz zu den herkömmlichen Kochstellen verbrauchen die verbesserten weniger Holz, sie werden schneller heiß, sie halten die Wärme länger, sie helfen Zeit zu sparen, weil sich die Kochzeit verkürzt, sie sind wirtschaftlicher, sie tragen zum Umweltschutz bei (weniger Abholzung, weniger negative Auswirkungen auf das Klima), sie schützen die Gesundheit der Menschen, weil sie weniger Rauch emittieren.  
 
Du bist seit 2. August 2006 Präsident der Naturfreunde Guinea. Was hat dich dazu bewogen, dich für diese Funktion zu bewerben? 
Ganz einfach: Als Guineer bin ich mir bewusst, dass die socio-ökonomische Entwicklung nicht nur Sache der Regierung ist. Daher haben wir ALUSFADE-GUINEE gegründet, eine Nicht-Regierungsorganisation. Da ich eine Universitätsausbildung und Know-how im Management habe, habe ich mich als Präsident dieser NGO beworben, um zur nachhaltigen Entwicklung Guineas – und warum nicht auch des afrikanischen Kontinents – beizutragen.  
 
ONG ALUSFADE-GUINEE ist für den Klimaschutz sehr aktiv. Was sind darüber hinaus eure Schwerpunkte? Und was bedeutet es für euch, Teil der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu sein? 
Neben dem Umweltschutz, wo wir zahlreiche Projekte zum Klimaschutz durchführen, sind wir in vielen anderen Themenbereichen aktiv, das betrifft etwa die Landwirtschaft, die Viehzucht, die Alphabetisierung, die Gesundheit (insbesondere die sexuell übertragbaren Krankheiten und HIV/Aids betreffend), die Politik und die Menschenrechte. 
Teil der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu sein, bedeutet für mich einen Gewinn im Hinblick auf den Austausch von Erfahrungen, die finanziellen Möglichkeiten, die Effizienz, die Führung, letztendlich für den Erfolg unseres Kampfes für eine gesunde Umwelt für die Menschen.

 
(Oktober 2018) 

 

Hannu Puhalainen | Präsident der Naturfreunde Finnland Hannu Puhalainen
 
Hannu Puhalainen, 66 Jahre alt und wohnhaft in Rovaniemi, ist der Präsident der Naturfreunde Finnland und auch Vorsitzender der Naturfreunde-Gruppe Rovaniemi. Hannus Heimat ist das Finnische Lappland und daher sind die Natur und das Wandern elementare Bestandteile seines Lebens. Im Interview spricht Hannu über seine persönliche Motivation für sein Engagement in der Naturfreunde-Bewegung und über seine Pläne für die Zukunft.

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Tyovaen retkeilyliitto, die Naturfreunde Finnland, wurde 1971 als nationale Sportvereinigung gegründet. Was sind heute eure Ziele und Hauptaktivitäten?
Unser Ziel ist es, unsere Organisation zu stärken, indem wir verschiedenste Aktivitäten organisieren und so das Interesse der Menschen für das Wandern und die Naturschätze wecken – damit sie selbst aktiv werden. Wir möchten auch die Zahl unserer Ortsgruppen erhöhen, sodass wir überall in Finnland präsent sind. 
Wir koordinieren und unterstützen die Aktivitäten unserer Ortsgruppen. Wir unterhalten eigene Hütten, die wir hauptsächlich an unsere Mitglieder vermieten. Wir geben ein Magazin heraus, das ein wichtiges Bindeglied zwischen unseren Mitgliedern ist und die Zusammenarbeit unter den Verbänden fördert.
 
Was ist deine persönliche Motivation, dich für die Naturfreunde zu engagieren?
Meine Hauptmotivationen sind, Menschen zu treffen, die dieselben Werte teilen, in der Natur zu sein und sie zu genießen, zu fischen, Beeren zu pflücken, mit Kaffee und Würsten am Lagerfeuer zu sitzen ... Ich mag es auch, anderen Menschen die Natur näher zu bringen.
 
Tyovaen retkeilyliitto ist eine kleine, aber sehr aktive Organisation, mit rund 1.700 Mitgliedern. Was bedeutet es für dich, Mitglied der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu sein?
Als Mitglied der Naturfreunde Internationale sind wir über Ereignisse und aktuelle Trends in Europa informiert. Aktuell bringen uns die Naturfreunde die Natur und Umwelt Afrikas näher. Wir hoffen, dass gerade durch die Internationalität jüngere Menschen angesprochen werden, bei unseren Aktivitäten mitzumachen. Bislang konnten wir diese Chancen in unseren Aktivitäten nicht voll ausschöpfen.
 
Was sind die größten Herausforderungen in den nächsten 10 Jahren – für die Naturfreunde Finnland und die internationale Naturfreunde-Bewegung?
Für uns in Finnland ist die größte Herausforderung, junge und aktive Menschen für unsere Organisation zu begeistern, und unsere Mitgliederzahl zumindest zu halten.
Ich denke, dass die internationale Naturfreunde-Bewegung die Balance finden muss zwischen der lokalen und globalen Dimension. Die geteilten, gemeinsamen Aktivitäten sollten für ein breites Publikum interessant sein, gleichzeitig sollen auch die Landesorganisationen die Vorteile einer globalen Zusammenarbeit sehen. Dazu könnten die Kommunikation und Interaktion in gemeinsamen Projekten beitragen.

Tyovaen retkeilyliitto
 
(September 2018; die deutsche Version dieses Textes basiert auf der englischen Übersetzung des finnischen Interviews von Hannele Pöllä, Koordinatorin für internationale Beziehungen bei den Naturfreunden Finnland)

 

 

 

Maritta Strasser | Bundesgeschäftsführerin der NaturFreunde Deutschlands  Maritta Strasser, NaturFreunde Deutschlands

Seit 1. Juli 2018 ist Maritta Strasser die neue Bundesgeschäftsführerin der NaturFreunde Deutschlands. Sie folgt Hans-Gerd Marian, der sich nach seiner langjährigen Tätigkeit für die NaturFreunde Deutschlands in den Ruhestand zurückzieht. Im Interview erzählt Maritta von ihren Vorstellungen und Plänen.

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Mit über 70.000 Mitgliedern sind die NaturFreunde Deutschlands der zweitgrößte Mitgliedsverband der Naturfreunde Internationale. Wo siehst du Eure Stärken und Eure Prioritäten für die zukünftige Arbeit?
Bei den NaturFreunden Deutschlands gibt es so viel Aktivität: Sportausbildungen, Reisen, eigene Häuser, Naturschutzprojekte, Kulturangebote … Die NaturFreunde leisten enorm viel, und das allermeiste davon ehrenamtlich. Davor habe ich großen Respekt.   Aber das spricht sich zu wenig herum. Wir sollten selbstbewusster werden. Wir haben viel zu bieten! Wir sollten die vielen Menschen, die bei uns Sport treiben oder zu Gast sind, noch viel konsequenter einladen, auch bei uns Mitglied zu werden.

Wo siehst du persönlich die größten Herausforderungen?
Ich möchte die NaturFreunde auf einen Mitglieder-Wachstumskurs bringen, damit wir auf Dauer eine Zukunft haben. Deshalb will ich mehr für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit tun. Ich möchte auch für einen Kulturwandel innerhalb des Verbandes werben. Ich möchte, dass wir offener werden, einladender – und ganz besonders junge Menschen ansprechen. Die Zusammenarbeit mit der Naturfreundejugend ist mir deshalb sehr wichtig.

Die NaturFreunde Deutschlands bezeichnen sich als „politischer Freizeitverband“. Was genau ist darunter zu verstehen? Und welchen Stellenwert hat für Euch die politische Arbeit – auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene?
Wir sind quasi das Lagerfeuer, an dem sich die Menschen versammeln, die der Überzeugung sind, dass in diesem Land etwas ganz grundsätzlich falsch läuft: Die Natur wird immer rücksichtsloser ausgebeutet, um Reichtümer anzuhäufen, von denen immer weniger Menschen profitieren. Als Einzelne sind wir machtlos, nur gemeinsam können wir etwas ändern. Weil nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch Erholung braucht, kämpfen wir nicht nur gemeinsam, sondern genießen auch gemeinsam Sport und Freizeit. 
Es braucht uns mehr denn je. Die Parteien haben für die Herausforderungen unserer Zeit immer weniger Antworten. Ihre Kraft schwindet. Somit ist es an der Zivilgesellschaft, gesellschaftliche Alternativen zu formulieren – zur Politik der Abschottung, zur Umverteilung von unten nach oben und zur rücksichtslosen Ausbeutung unseres Planeten.

Ein wichtiges Ziel der internationalen Naturfreunde-Arbeit ist es, die Werte unserer Bewegung wie zum Beispiel internationale Solidarität erlebbar zu machen und einen aktiven Beitrag zu leisten, etwa mit dem Naturfreunde KlimaFonds oder auch mit der Landschaft des Jahres im Grenzgebiet von Senegal und Gambia. Wie wichtig ist aus deiner Sicht internationales Engagement für eine Bewegung wie die Naturfreunde?
Ich finde das globale Engagement sehr wichtig, aus zwei Gründen: Erstens machen Klimawandel und erschöpfte globale Ressourcen nicht an Grenzen halt – es sind globale Probleme, die sich nur in einer gewaltigen globalen Kraftanstrengung lösen lassen. 
Zweitens ist Solidarität unser zentraler Wert und Solidarität kann keine Grenzen kennen, wenn sie ernst genommen wird. Denn die Ausgrenzung, die Begrenzung von Unterstützung nur auf bestimmte Menschengruppen ist zutiefst unsolidarisch. Weil wir alle Menschen sind, wollen wir an Rechten gleich und frei sein. Unsere Vielfalt ist unser Reichtum.

NaturFreunde Deutschlands

(Juli 2018)


 

 

Jacques LetonJacques Leton |  Präsident der Naturfreunde Belgien-Wallonien

Jacques Leton wurde im April als Präsident der Naturfreunde Belgien-Wallonien wiedergewählt. Im Gespräch erzählt er von seinen Zielen für die nächsten Jahre und seiner persönlichen Motivation für sein Engagement. 

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Herzlichen Glückwünsch zur Wiederwahl als Präsident der Naturfreunde Wallonien! Ihr habt in den letzten Monaten intensive Diskussionen über die Weiterentwicklung eures Verbandes geführt. Was sind nun eure Ziele für die nächsten Jahre?
Unser vorrangiges Ziel ist es, das Durchschnittsalter unserer Mitglieder zu senken, indem wir die Jugendbewegung fördern. Junge Menschen für die Naturfreunde-Bewegung zu begeistern muss unser Ziel sein, wenn wir nicht aufgrund unserer Altersstruktur sterben wollen. Das ist eine schwierige Herausforderung, aber machbar, wenn wir uns Mühe geben und die nötigen Mittel dafür bereitstellen. Ich bin davon überzeugt, das die Naturfreunde immer ihren Platz auf der Welt haben werden und dass wir unseren ganzen Eifer darauf verwenden müssen, um unsere Mutter Erde und unsere Bewegung zu retten.


Ehrenamtliches Engagement bedeutet viel Arbeit und Verantwortung – aber natürlich auch die Möglichkeit, Dinge zu bewegen und einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft zu leisten. Wo liegt deine persönliche Motivation für dein Engagement? Und was ist dir für deine Arbeit als Präsident besonders wichtig?
Es ist offensichtlich, dass "Arbeit und Verantwortung" wichtig sind und für die Zukunft unserer Erde untrennbar zusammengehören. Dennoch müssen wir erkennen, dass das keine einfache Sache ist. In diesem Sinn haben wir bei UFAN Überlegungen angestellt und auch darüber, wie wir die dafür nötigen Mittel bereitstellen können.

Die Naturfreunde Wallonien sind einer der kleineren Mitgliedsverbände der Naturfreunde Internationale und haben – wie auch viele andere Verbände – nur beschränkte Ressourcen für die internationale Arbeit. Welche internationalen Aktivitäten sollten die Naturfreunde deiner Meinung nach in den nächsten Jahren forcieren?
Wir sollten uns viel mehr für die Rettung unseres Planeten engagieren und dabei unsere Mitglieder stärker einbinden. Ich glaube, dass die NFI auch mehr Schutzprojekte auf europäischer Ebene initiieren soll. Ja, wir müssen unseren afrikanischen Freunden helfen – und davon bin ich überzeugt – aber auch die inhaltliche Arbeit hier bei uns ist wesentlich. Eine Annäherung der unterschiedlichen Organisationen soll ermöglicht werden, aber unsere Mittel sind ziemlich begrenzt und unser Mitglieder sprechen nicht immer darauf an.

Die Naturfreunde-Bewegung wird 2020 ihr 125-jähriges Jubiläum begehen. Was braucht es, um auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben?
Wir sollten unsere Truppen verjüngen, wenn wir würdig die 125 Jahre feiern und eine Zukunft haben wollen. Wir werden nur bestehen, wenn wir nicht nur Politik machen – was aktuell angesagt ist – sondern der Zukunft unserer Gemeinschaft und der Zukunft unserer Erde mehr Gewicht geben. Vergessen wir nicht unsere Ältesten, die hart gearbeitet haben für das, was wir jetzt haben. Wenn wir ihre Arbeit fortsetzen wollen, müssen wir kämpfen und unsere Bewegung verjüngen.
Ich denke auch, dass wir uns wieder darauf besinnen sollten, dass wir der Tourismusverband der Naturfreunde sind und nicht nur die Naturfreunde. Wir sind hier, um die Natur zu schützen, aber gleichzeitig sollten wir unseren Mitgliedern – und auch darüber hinaus – ermöglichen, die Natur zu entdecken.

U.F.A.N.

(Juni 2018)


 

 

Ciprian CostaCiprian Costa |  Präsident Naturfreunde Rumänien

Ciprian Costa ist Präsident der rumänischen Naturfreunde und hat vor Kurzem an einem
internationalen Naturfreunde -Workshop zu barrierefreien Sportangeboten in Wien teilgenommen. Im Gespräch erzählt er von seinen bisherigen Höhepunkten in der Naturfreundearbeit und von seinen Visionen für die nächsten Jahre.

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Du bist schon seit vielen Jahren für die Naturfreunde Rumänien aktiv. Wie bist du zu den Naturfreunden gekommen und was hat dich bewogen, dich all die Jahre zu engagieren? Was waren bisher deine beeindruckendsten Momente bei Prietenii Naturii Romania?
Vor 25 Jahren, während meines Studiums in Timisoara, war ich Mitglied bei einem Gebirgsverein, einem Partner der NFI. Mir gefiel das Motto "Natur & Kultur" und das Angebot an Aktivtäten, aber ich schätzte es auch, ein Mitglied der "großen Naturfreunde-Familie" zu sein. Daher war einer der wichtigsten Momente für mich, als Rumänien ein A-Mitglied der NFI wurde.  
Weitere wichtige Schritte und Projekte waren: die Auszeichnung für Cabana Codin beim Klima-Wettbewerb, die Landschaft des Jahres Donau-Delta, zwei neue Mitgliedsorganisationen bei den Naturfreunden Rumänien, die Beteiligung des Banat-Gebietes im Projekt "Hiking Europe" – und 2017  haben wir auch ein neues Managementsystem für unsere Mitglieder eingeführt.

Prietenii Naturii Romania ist einer der kleinen Mitgliedsverbände der NFI. Was bedeutet es für euch, Teil der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu sein? Wie bringt ihr euch ins internationale Netzwerk der NFI ein – und wie profitiert ihr davon?
Wir sind eine kleine Organisation im Westen des Landes und haben ein Naturfreundehaus. Unsere Mitglieder sind in Kontakt mit Naturfreunde-Organisationen in ganz Europa. Wir nehmen an Workshops und Seminaren teil und stehen im stetigen Erfahrungsaustausch mit anderen Mitgliedern. Wenn unsere Mitglieder im Ausland unterwegs sind, nächtigen sie vorzugsweise in Naturfreunde-Häusern. 

Ihr nehmt dieses Jahr am Erasmus+ Projekt „Naturefriends Sports for all“ teil. Die Verbände sollen damit Tools in die Hand bekommen, mit denen sie Natursportangebote für Menschen mit Behinderungen entwickeln können. Der erste Workshop, an dem du auch teilgenommen hast, fand vor kurzem in Wien statt. Warum ist dir das Projekt wichtig?Mir hat das Projekt von Anfang an gefallen, und der erste Workshop in Wien war wirklich toll. In Rumänien sind Angebote für Menschen mit Behinderungen noch neu, es gibt noch kaum entsprechende Infrastruktur. Dieser Workshop war für uns der erste Schritt, um mehr über die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen zu lernen und wie wir diese auch berücksichtigen können.

2028 – wo siehst du die Naturfreunde Rumänien in zehn Jahren? Was ist deine Vision, worauf freust du dich und welche Herausforderungen gibt es zu bewältigen?
In 10 Jahren? Nun, unser Ziel ist es, mindestens zehn Ortsgruppen mit jeweils mindestens hundert Mitgliedern zu haben sowie zehn Naturfreunde Häuser und ein größeres Angebot an Aktivitäten.
Berg frei!

Prietenii Naturii Romania

(Mai 2018)


 

 

Marie BernardMarie-Bernard Lefebvre-Dumont | Präsidentin der Naturfreunde Frankreich

Marie-Bernard LEFEBVRE-DUMONT wurde am 31. März 2018 als Präsidentin der Naturfreunde Frankreich wiedergewählt. Im Gespräch erzählt sie von ihrer persönlichen Motivation für ihr langjähriges Engagement und von ihren Visionen für die Entwicklung der Naturfreunde-Bewegung. 

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Du bist seit vielen Jahren mit großem Engagement für die Naturfreunde aktiv – sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Woher kommt die Motivation für Dein großes Engagement?
So wie viele französische Naturfreundinnen und Naturfreunde habe ich mich der Bewegung (vor etwas mehr als 30 Jahren) angeschlossen, nachdem ich zuvor bei den Jugendherbergen engagiert war. Ich hatte damals ein Kind bekommen, und die Arbeit in „meiner“ ersten Ortsgruppe war mit meinen neuen Lebensumständen besser vereinbar. Obwohl mir das Ortsgruppenleben und der Austausch mit NaturfreundInnen mit unterschiedlichem Background und aus verschiedenen Ländern sehr entsprach, habe ich mich erst nach mehr als zehn Jahren durch die Übernahme einer Funktion für die Bewegung engagiert. Ich finde hier alles, was meiner Meinung nach dem Leben Sinn verleiht: Austausch, Freundschaft, gemeinsames Erleben, Auseinandersetzung mit verschiedenen Lebenswelten und anderen Kulturen, Toleranz und Solidarität. Sicher ist all dies nicht immer selbstverständlich gegeben, aber das Beispiel unserer VorgängerInnen sowie die Bedürfnisse der gegenwärtigen Gesellschaft im allgemeinen und der Jugend im Besonderen, ermutigen mich weiterzumachen.

Was sind deine Prioritäten für die Arbeit der Naturfreunde Frankreich in den nächsten Jahren?
Der 33. Kongress unseres Verbandes hat klar gezeigt, in welche Richtung wir gehen müssen. Es geht um:

  • Förderung der Jugendgruppe, die sich anlässlich des Kongresses konstituiert hat, und aus der ein Jugendvertreter in unseren neuen Vorstand gewählt wurde – mit dem Ziel der Bereicherung und Dynamisierung der Bewegung unter Berücksichtigung der aktuellen Lebensrealitäten und der von den „Älteren“ geleisteten Arbeit.
  • Verbesserung der Kommunikation: Ein erster Schritt besteht darin, dass wir nun „Amis de la Nature France / Naturfreunde Frankreich“ heißen. Es ist tatsächlich so, dass wir trotz unserer fast 8.000 Mitglieder nicht ausreichend bekannt sind, ausgenommen vielleicht im Elsass. Dennoch haben die 100 Ortsgruppen, die unter unserem Dach zusammengefasst sind, eine unleugbare gesellschaftliche und soziale Rolle zu spielen, sei es auf Grund der Vielfalt an Freizeitangeboten und/oder der Aktivitäten in den Bereichen Natur und Umwelt. Dabei darf nicht vergessen werden – und gerade das unterscheidet uns von anderen – dass wir auf ehrenamtlicher Basis Häuser und Campingplätze (60 in Frankreich) betreiben, die zu günstigen Konditionen genutzt werden können. Wir müssen auch die interne Kommunikation verbessern, denn obwohl wir über immer schlagkräftigere Informationsinstrumente verfügen, kennen der Verband und die Mitglieder einander nicht ausreichend; daraus ergeben sich Probleme, wenn es darum geht, die jeweiligen Erfahrungen zu teilen und den Werten, die wir gemeinsam haben, Öffentlichkeit zu verschaffen.
  • Entwicklung von Partnerschaften mit anderen Vereinigungen, die ähnliche Werte vertreten, um bei politischen Entscheidungen in den Bereichen Tourismus, Veranstaltung von Aktionen oder Umwelt mehr Gewicht zu haben, und um den Mitgliedern erweiterte Möglichkeiten für Urlaub und Freizeit zu bieten (zum Beispiel der Abschluss von Abkommen mit befreundeten Häusern).
  • Organisation der Führungsstrukturen im Verband, Vernetzung im Hinblick auf demokratischere Entscheidungsprozesse, Ausbildungsangebote für die Übernahme von Verantwortung an jene, die das möchten, um so zu einer Erneuerung bei den Funktionären beizutragen.

Die Naturfreunde Frankreich haben die Entwicklung der Naturfreunde in Afrika maßgeblich unterstützt. Du selbst bist Mitglied der Steuerungsgruppe für den Naturfreunde Klimafonds, aus dessen Mitteln Klimaschutzprojekte der Naturfreunde in Afrika finanziert werden. Gleichzeitig kämpfen viele europäische Naturfreunde Organisationen mit finanziellen Problemen. Provokativ gefragt: Wäre es nicht besser, in die europäischen Verbände zu investieren als Organisationen in Ländern des globalen Südens zu unterstützen?
Nein, ich denke nicht, dass man so argumentieren und den Süden gegen den Norden ausspielen soll. Sicher haben einige europäische Verbände Probleme, denen muss man helfen – Frankreich hat das in der Vergangenheit auch getan. Das darf aber nicht zu Lasten der Länder des globalen Südens gehen. Im Übrigen meine ich, dass die Probleme der Naturfreunde in Europa nicht zu vergleichen sind mit jenen der afrikanischen Länder. In Europa handelt es sich um politische Probleme (z.B. in Ungarn) – dabei ist es die Rolle der NFI, mit Unterstützung der Landesorganisationen auf europäischer Ebene die Stimme zu erheben. Oder es sind Probleme der Organisationsentwicklung, die alle Verbände betreffen. Hier geht es darum, durch gemeinsame Reflexion im Rahmen der NFI die Zielsetzungen der Bewegung mit den aktuellen gesellschaftlichen Anforderungen in Einklang zu bringen, um so der Bewegung wieder Sinn zu geben und nicht in der Bedeutungslosigkeit zu enden. Handelt es sich um finanzielle Probleme, könnte man vielleicht die Einrichtung eines spezifischen Solidariatätsfonds ins Auge fassen, der zum Beispiel mit EU-Geldern oder aus gemeinschaftlichen Quellen etc. finanziert würde.
Der Klimafonds der Naturfreunde ist einzig und allein für afrikanische Länder gedacht, deren Armuts- und Entwicklungsprobleme durch die Beschleunigung des Klimawandels und durch die Nord-Süd-Handelsbeziehungen verschärft werden. Alle von den afrikanischen Naturfreunden für den Fonds eingereichten Vorschläge betreffen lokale Entwicklungsprojekte, die darauf abzielen, die Lebensbedingungen zu verbessern und die Bevölkerung zu unterstützen, ein Leben in Würde zu führen. Die Projekte werden von europäischen Naturfreunden finanziert, die so die schädlichen Folgen kompensieren, die ihre Reisetätigkeit für das Klima hat. Hier geht es um Klimagerechtigkeit.

Die Naturfreunde-Bewegung wird 2020 ihr 125-jähriges Jubiläum begehen. Was braucht es, um auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben?
Wir müssen uns ständig fragen, ob in unserem Umfeld unsere Werte Gehör finden beziehungsweise welche Schritte wir unternehmen müssen, damit dies der Fall ist. Wir müssen uns unter unseren Verbänden verstärkt austauschen, eine gemeinsame Botschaft vertreten und mehr Öffentlichkeit erlangen. Und wir müssen auch die Jugend anhören und ihr den ihr gebührenden Platz einräumen.

Amis de la Nature France

(April 2018) 


 

 

Leonardo BaroncelliLeonardo Baroncelli | Vize-Präsident der Naturfreunde Internationale 

Der Italiener Leonardo Baroncelli wurde beim Kongress der NFI am 21. Oktober 2017 zum Vize-Präsidenten der NFI gewählt. Bei den Naturfreunden Italien beschäftigt er sich mit internationalen Themen sowie dem Umweltschutz. In unserem Gespräch spricht Leonardo über seine Beweggründe, sich für die Naturfreunde-Bewegung einzusetzen und über seine Ideen für die Zukunft der Organisation. 

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Was war deine persönliche Motivation, dich als Vize-Präsident der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu engagieren?
Schon in meiner Jugend war ich beim “International Civil Service”, einer UN-Hilfsorganisation, die Freiwillige weltweit entsendet. In dieser Eigenschaft nahm ich an Hilfsaktionen teil, wie etwa bei der Überschwemmung in Florenz 1966 und dem Erdbeben in Westsizilien 1966 – Seite an Seite mit Tausenden von Freiwilligen, die aus vielen Ländern kamen, um zu helfen. Hier habe ich große internationale Solidarität erfahren und das hat mein berufliches und privates Leben geprägt. Nach dem Rückzug aus der italienischen Diplomatie und 40 Jahren Dienst auf vier Kontinenten wollte ich mich wieder gemeinnützigen Tätigkeiten widmen, insbesondere dem Schutz der Natur und autochtoner Kulturen, die aktuell auf nicht nachhaltige und unfaire Weise ausgebeutet werden.

Die Naturfreunde Italien sind international sehr aktiv, z.B. unterstützen sie die Gründung einer Naturfreunde-Gruppe in Bosnien. Wie wichtig ist Internationalität für dich – insbesondere in Zusammenhang mit der Naturfreunde-Bewegung?
Heute ist sie wichtiger denn je, insbesondere weil wir konfrontiert sind mit dem Aufkeimen des Populismus, der Bedrohung durch den Terrorismus und der Krise des Multilateralismus. Selbst die Grundfesten der europäischen Integration wurden in den letzten Jahren infrage gestellt. In diesem unsicheren Umfeld müssen wir unsere Kräfte darauf konzentrieren, die Werte der Naturfreunde-Bewegung in den Mittelpunkt zu stellen - insbesondere die Internationalität, die Demokratie, die Klimagerechtigkeit und die weltweite Allianz für das Überlebens unseres Planeten und der Menschheit.

Neben dem Amt des Vize-Präsidenten bist du auch Mitglied der Steuerungsgruppe des Naturfreunde Klimafonds. Der Klimafonds will mehr Klimagerechtigkeit schaffen, indem konkrete Projekte der Naturfreunde Afrikas unterstützt werden. Dennoch sehen viele die Naturfreunde nur als Freizeit- und Wanderorganisation. Wenn dich jemand fragt, warum sich die Naturfreunde für Klimagerechtigkeit einsetzen, was würdest du antworten?
Klimagerechtigkeit muss Priorität haben, um die Folgen des Klimawandels in den Ländern des Südens, die ja nicht die Hauptproduzenten von CO2 sind, zu mindern. Ohne Klimagerechtigkeit sind die Risiken für soziale Ungleichheiten, bewaffnete Konflikte und Massenvertreibungen sehr hoch. Daher ist es besser, Maßnahmen zur Klimagerechtigkeit und zur sozialen Gerechtigkeit umzusetzen – so können Umweltkatastrophen und menschliche Katastrophen verhindert und unsere Welt zu einem besseren Ort zum Leben gemacht werden.
Dennoch müssen wir auch Freizeitaktivitäten und nachhaltigen Tourismus unterstützen, um ein soziales Umfeld und eine natürliche Umwelt zu fördern und zu unterstützen. Ich persönlich wandere viel und gern.

Was sind deiner Meinung nach die größten Herausforderungen für die Naturfreunde-Bewegung in den nächsten Jahren, sowohl in Italien als auch international?
Die größten Herausforderungen für die Naturfreunde-Bewegung ist die Überalterung unserer Mitglieder in Italien und auf internationaler Ebene. Dies ist eine Herausforderung auch für gemeinnützige Organisationen und wir müssen neue Wege beschreiten, um mehr junge Mitglieder zu gewinnen.
Zunächst einmal müssen wir das politische Profil der Bewegungen schärfen und stärker für unsere Werte eintreten. Es gibt natürlich Einschränkungen durch Zeit und Geld, aber möglicherweise kann mit weniger mehr erreicht werden. Es ist auch wichtig, aktiver mit gleichgesinnten Verbänden in Mittel- und Osteuropa, Afrika und Asien zusammenzuarbeiten und sie zu ermutigen, sich Gehör zu verschaffen. Schließlich müssen wir aktiver zur Stärkung der Zivilgesellschaft beitragen, indem wir gute Beispiele vor den Vorhang holen, Fähigkeiten zur Förderung der Interessenvertretung vermitteln und unsere Werte auf politischer Ebene in Europa vertreten.

Gruppo Italiano Amici della Natura G.I.A.N.

(März 2018) 


 

 

Mamadou Diallo
© Doris Banspach

Mamadou Diallo | Generalsekretär der Naturfreunde Senegal (ASAN)

Mamadou Diallo, Generalsekretär der Naturfreunde Senegal (ASAN), hat in seiner Rede anlässlich der Eröffnung der Landschaft des Jahres Senegal/Gambia seine große Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass ASAN nun für die nächsten beiden Jahre im Mittelpunkt der internationalen Naturfreunde-Aktivitäten stehen wird. 
Im Gespräch mit der NFI erzählt er von der Bedeutung der Initiative für die Region und für seinen Verband und von seinen Visionen für die Zukunft.  

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In deiner Eröffnungsrede hast du deine Begeisterung über die neue Landschaft des Jahres Senegal/Gambia kundgetan. Neben sehr vielen TeilnehmerInnen aus der Region und den Nachbarländern sind auch über 40 NaturfreundInnen aus Europa angereist, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen und im Anschluss die Region kennen zu lernen. Was bedeutet diese große Aufmerksamkeit für die Naturfreunde Senegal?
Für uns, die Naturfreunde Senegal, ist es eine große Ehre und ein Zeichen der Freundschaft und der Wertschätzung, die uns die NFI entgegenbringt. Die Organisation der "Landschaft des Jahres" 2018/2019 den Naturfreunden Senegal, einer afrikanischen Naturfreunde-Organisation, anzuvertrauen, ist in der Tat eine Premiere in der Geschichte der Naturfreunde-Bewegung. Ihr gebt uns erneut die Gelegenheit, unseren Dank an die Verantwortlichen der NFI sowie an die zahlreichen TeilnehmerInnen, die aus Europa und Afrika angereist sind, auszusprechen – sie haben die offizielle Eröffnung der Landschaft des Jahres durch ihre Anwesenheit bereichert.

Was sind für dich die Besonderheiten der Region, die du den BesucherInnen gerne vermitteln möchtest?
Wie ihr wisst, gibt es im Senegal viele Dinge zu entdecken, es ist ein Land mit großer Biodiversität, mit vielen verschiedenen Ökosystemen, mit vielen außergewöhnlichen Touristenattraktionen und einer lebendigen Kultur. Außerdem sind die SenegalesInnen, auch gerade wegen ihrer ethischen und sprachlichen Vielfalt, ein wunderbares Volk, sehr gastfreundlich und sehr offen. Im Rahmen unserer Aktivitäten haben wir mehrere sehr interessante Ökotouren für TouristInnen zusammengestellt, die wir unseren Gästen ans Herz legen. 
Abgesehen von den unterschiedlichen geographischen Zonen, die unser Land umfasst, wäre es für TourstInnen interessant, die Insel Gorée zu besuchen, ein Zeugnis jahrhundertelanger Sklaverei und des Sklavenhandels, oder den See Lac Rose, die verschiedenen Museen in der Hauptstadt, die Kunstmärkte und das Denkmal der Wiedergeburt Afrikas. Diejenigen, die in der Nähe von Dakar bleiben möchten, können das Reservat Bandia besuchen, und dort Giraffen, die Riesen-Elenantilope, verschiedenste andere Antilopenarten, Affen, Büffel usw. zu beobachten; sie können auch den Badeort Saly besuchen, auf dem Weg dorthin kommen sie bei Poponguine vorbei und an den Wäldern mit Affenbrotbäumen (Baobab), den Bäumen, die alles heilen. 
Auf der Nordtour können die BesucherInnen Saint Louis entdecken, die alte Hauptstadt Senegals und Weltkulturerbe, mit seinen historischen Monumenten (Hotel Mermoz, Brücke Faidherbe, Gouverneurspalast), dem Fischerdorf Goxxu Mbathie, die Langue de Barbarie, die farbenfrohe und
lebhafte Rückkehr der Fischer, die traditionellen Dörfer der Mauren und Peulhs, und nicht zu vergessen das Reservat Gueumbeul und den Vogelpark von Dioudj, dem weltweit dritten nationalen Vogelschutzgebiet mit seinen Tausenden Vögeln und Pelikanen.
Jene, die sich für Religion interessieren, können Tivaouane, die Hauptstand von Tidjanisme, besuchen sowie Touba, die Hauptstadt von Mouridisme und Kaolack, die Hauptstadt von Niassènes, … Alle, die sich für die großartige Natur und Kultur interessieren, sollten die Regionen Tambacounda und La Casamance nicht verpassen.
Für die Tour d´Horizon in diesem Jahr haben wir den NaturfreundInnen vorgeschlagen, die Grenzregion zwischen Senegal und Gambia zu besuchen. Hier kann man "Senegambia" entdecken, mit seinem besonderen Ökosystem – eine geographische Region mit großer biologischer Vielfalt, vielfältiger Kultur und unterschiedlichsten Menschen.


Ziel der Landschaft des Jahres ist es immer auch, konkrete Aktivitäten zu initiieren, die zu einem besseren Leben für die Bevölkerung beitragen. Was ist deiner Meinung nach notwendig, damit dies gut gelingt?
Die Durchführung des Programms wird zur Erhaltung unserer Natur, zum Kampf gegen den Klimawandel, zur Erhöhung der Biodiversität, aber vor allem zur Stärkung des Ökotourismus beitragen. Tatsächlich ist die Aufforstung mit Bäumen, die mehrfach genutzt werden können, in den Concessions (Familiengärten) geplant: Bäume mit viel Laub, die Schatten spenden, Obstbäume, um Mangelernährung zu bekämpfen und das Einkommen der Familien aufbessern, Bäume, die Brennholz liefern und so der Abholzung Einhalt gebieten, Bäume, die medizinisch von traditionellen Heilern genutzt werden – kurz gesagt, eine Aufforstung, um CO2 zu binden und damit gegen die Klimaerwärmung und den Klimawandel zu kämpfen.
Ebenso ist es eine Gelegenheit für die Bevölkerung, wieder ihr lokales kulturelle Erbe zu besuchen. Wenn Sie in Kontakt mit der vielfältigen Bevölkerung Senegals kommen, werden Sie den Reichtum und die Vielfalt ihrer Kultur bewundern. Nach der afrikanischen Tradition und der senegalesischen "Teranga" (Gastfreundschaft) werden Sie Ihre GastgeberInnen dazu bringen, Mbalakh, Yela, Ndawrabine, Sawrouba usw. zu tanzen, im Rhythmus von Tamtam, Kora, Balafon, Riti etc. Mit dem Kankourang Festival in Gambia werden die Schutzgeister aus dem heiligen Wald kommen, nicht nur, um zu tanzen und die Naturfreunde willkommen zu heißen, sondern sie werden auch auf ihre Weise zum Erfolg der "Landschaft des Jahres" beitragen.

Nach der sehr erfolgreichen ersten Reise durch die Landschaft des Jahres werden bereits einige weitere Reisen geplant. Welche Bedeutung hat der Tourismus für die Region und was ist notwendig, damit die Bevölkerung auch wirklich vom Tourismus profitiert?
Der Tourismus ist ein Wirtschaftsfaktor, von dem die lokale Bevölkerung profitiert. Er kann dazu beitragen, dass die jungen Menschen in der Region bleiben und dass die illegale Emigration, mit so verheerenden Folgen wie langen  Irrfahrten, dem Verlust von Menschenleben in der Wüste und im Meer sowie moderner Sklaverei in Libyen und in anderen Ländern, eingedämmt wird. Dennoch sollte die Bevölkerung unterstützt werden, damit sie wirklich vom Tourismus profitieren kann. Zu diesem Zweck wäre es gut, dass Touristenunterkünfte in den Dörfern geschaffen würden, dass lokale Künstler den Besuchern ihr Kunsthandwerk als Souvenirs anbieten könnten, dass Frauen in der Landwirtschaft, in der Verarbeitung von lokalem Obst, Gemüse und Getreide sowie in der Gastronomie geschult und angestellt würden.

Die Naturfreunde Senegal blicken wie auch andere afrikanische Naturfreundeverbände auf eine sehr positive Verbandsentwicklung in den letzten Jahren zurück. Was ist für dich das Erfolgsrezept für eine gute Zukunft für die Naturfreunde? Und welche Bedeutung hat für dich dabei die Internationalität unserer Bewegung?
Es gibt kein Rezept, das Wunder bewirken kann. Nur die Arbeit zählt. Wir müssen erkennen, dass wir – wie ich meine – von drei Hauptfaktoren profitieren: 1. das Vorbild eines wunderbaren Mannes, dem verstorbenen Presidenten Alioune DIAGNE MBOR, der mit seiner Weisheit, Voraussicht und Bekanntheit die Gruppe geeint und uns viele Türen geöffnet hat. 2. in ihren Bereichen kompetente Mitglieder, die dynamisch und engagiert sind und auf freiwilliger Basis arbeiten. 3. seriöse, großzügige Partner, die genauso engagiert sind wie wir, wie die Naturfreunde Internationale, die bereit waren, uns zu begleiten und mit uns die Herausforderung anzunehmen. Ich persönlich bedauere es nicht, mir in der Vergangenheit die Freiheit genommen zu haben, die Naturfreunde Frankreichs und die NFI um eine Partnerschaft mit ASAN zu bitten.

Die Internationalität der Naturfreunde-Bewegung ist sehr wichtig, da sie Ausdruck einer gemeinsamen Vision ist, mit gemeinsamen Werten, Botschaften und konkreten Initiativen für den Umweltschutz, gegen den Klimawandel, gegen die Armut, zur Förderung des Ökotourismus und der internationalen Solidarität unter den Völkern. Eure Anwesenheit hier, gerade in diesen Zeiten der Spannungen auf der ganzen Welt, wird sicherlich zum gegenseitigen Verständnis und zur Annäherung der Völker und zum Frieden auf der Welt beitragen.

Association Sénégalaise des Amis de la Nature (Facebook)

(Februar 2018) 


 

 

Petra MüllerPetra Müller | Vizepräsidentin der NFI 

Petra Müller ist langjährige Vizepräsidentin der Naturfreunde Internationale und seit vielen Jahren auch bei den NaturFreunden Deutschlands aktiv. Sie war Anfang Jänner bei der Eröffnung der ersten afrikanischen Landschaft des Jahres im Grenzgebiet von Senegal und Gambia dabei. Im Gespräch erzählt sie von ihren Eindrücken und Erfahrungen in der internationalen Naturfreundearbeit.

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Petra, du bist Afrika-Beauftragte der NaturFreunde Deutschlands. Warum engagieren sich die NFD in Afrika? Und wie sieht die Zusammenarbeit der NFD mit dem Afrika-Netzwerk der Naturfreunde konkret aus?
Die Naturfreunde Deutschlands pflegen schon seit vielen Jahren einen regen Austausch mit den Naturfreundeorganisationen in Senegal und Togo. Initialzündung für unsere Zusammenarbeit waren Naturfreundereisen in diese Länder. So haben wir die Aktivitäten unserer FreundInnen in den Bereichen Umweltbildung, Biodiversität und Klimawandel kennen gelernt. Das alles sind Themen, die auch bei den NFD eine große Rolle spielen. Unsere Projekte haben immer auch einen sozialen Aspekt, sodass die Menschen vor Ort einen konkreten Nutzen davon haben. 
Um die Zusammenarbeit zu intensivieren und unsere Aktivitäten zu koordinieren, haben wir 2012 das Afrika-Europa-Netzwerk der Deutschen Naturfreunde gegründet. Das Netzwerk steht allen interessierten NaturfreundInnen offen und hat einen eigenen Mail-Verteiler. Es findet jährlich ein gemeinsames Seminar mit VertreterInnen der afrikanischen Naturfreundeverbände statt. Wir befassen uns dort mit gemeinsamen Themen wie z.B. Klimagerechtigkeit, genmanipulierte Organismen oder Landgrabbing. Weitere Schwerpunkte sind der Erfahrungsaustausch über gemeinsame Projekte, Berichte über Gruppenaktivitäten bei uns und die Weiterentwicklung unserer Zusammenarbeit. Bei der Auswahl der Tagungsorte beziehen wir die jeweilige regionale Ortsgruppe ein, damit unsere afrikanischen FreundInnen auch die lokalen Aktivitäten der NFD kennen lernen.

Was sind/waren für dich bislang die Highlights in der Kooperation mit den Naturfreunden in Afrika?
Die Highlights waren und sind immer die direkten Begegnungen mit den Naturfreunden, die im Rahmen unserer Afrika-Reisen stattfinden. Das Engagement der Jugendlichen in den Umweltclubs der Naturfreunde, die Gespräche mit den Schülergruppen und den Ortsgruppen über ihre konkrete Arbeit, die sichtbaren Fortschritte und die Weiterentwickelung der Projekte zeigen, dass unsere Zusammenarbeit auf einem guten Weg ist.

Am 13. Jänner wurde die Landschaft des Jahres 2018/19 in Senegal/Gambia eröffnet – es ist die erste Landschaft des Jahres in Afrika. Anlässlich der Eröffnung organisierten die Naturfreunde eine zweiwöchige Modellreise durch Senegal und Gambia, die sogenannte Tour d‘Horizon. Welche Bedeutung hat der sanfte Ausbau des Tourismus aus deiner Sicht für die nachhaltige Entwicklung der Region?
Ich denke, dass die ausgewählte Region Potenzial für einen nachhaltigen Tourismus hat. In Janjanbureh (Gambia) bildet unser Kooperationspartner „Just Act“ beispielsweise TourismusführerInnen aus, die Natur- und Stadtführungen durchführen. Der Gambia River bietet eine weite Bandbreite für die Beobachtung der Natur am und im Wasser. Auch in Koungheul (Senegal) gibt es schon erste Ansätze zu geführten Aktivitäten in der Natur. Hier erschließt die Hauptverkehrsader das Gebiet in Richtung Tambacounda und Kedougou – eine Region, die jetzt schon touristisch etwas besser erschlossen ist. Wichtig für den erfolgreichen Ausbau eines sanften Tourismus in der Region wäre es, die bestehenden Angebote in der Landschaft des Jahres zu erweitern, indem sie mit nachhaltigen touristischen Angeboten in den angrenzenden Regionen verknüpft werden.
Alles das hat einen großen Einfluss auf die wirtschaftlich, strukturell und kulturell nachhaltige Entwicklung.

Du warst bei den Eröffnungsfeierlichkeiten und bei der Tour d'Horizon dabei. Was hat dich persönlich am meisten beeindruckt?
Es war das Zusammenspiel mehrerer Faktoren, das die Veranstaltung unvergesslich macht. Wir haben die vielfältige regionale Kultur erleben dürfen, haben das ernsthafte Interesse der regionalen Akteure an dieser Landschaft des Jahres erlebt – und ich war auch von der großen Beteiligung der Menschen aus Senegal und Gambia beeindruckt.

Welche Chancen eröffnen sich aus deiner Sicht für die Grenzregion Senegal/Gambia durch die Ernennung zur Landschaft des Jahres? Wie können Naturfreunde-Gruppen außerhalb Afrikas eine langfristig erfolgreiche Entwicklung der Region unterstützen?
Ein wichtiger Punkt ist die Vernetzung der Akteure vor Ort. Es gibt in der Region schon verschiedene Initiativen beiderseits der Grenze, da muss das Rad nicht noch einmal neu erfunden werden. Die Chancen liegen eindeutig in der Entwicklung von Kommunikationsstrukturen und gemeinsamen Handlungsplänen. Ein erster wichtiger Schritt ist bereits gemacht, da die Verbindungsstraße zwischen Senegal und Gambia ausgebaut und nun gut befahrbar ist.
Eine langfristige Unterstützung der Entwicklung in der Region wird nur in Kooperation mit den senegalesischen NaturfreundInnen gelingen. Für Naturfreunde-Gruppen , die sich engagieren wollen, ist es wichtig, sich mit den Aktivitäten der afrikanischen NaturfreundInnen vertraut zu machen. Es wäre schön, wenn sich möglichst viele Gruppen in den Jahren 2018/2019 mit dem Thema „Auswirkungen des Klimawandels in Afrika und Klimagerechtigkeit“ beschäftigen. Weiters gibt es die Möglichkeit, den Klimafonds der NFI zu bewerben. Langfristig können Gruppen und Landesverbände die Region auch über eigene Reisen unterstützen. Die Naturfreunde Senegal verfügen über eine langjährige Erfahrung in der Organisation von Reisen für Naturfreunde-Gruppen und können hier bei Bedarf Unterstützung anbieten.

NaturFreunde Deutschlands

(Januar 2018)  



 

 

Manfred PilsManfred Pils | Präsident der Naturfreunde Internationale 

Der Österreicher Manfred Pils wurde am 21. Oktober 2017 vom Kongress der Naturfreunde Internationale in Lage Vuursche in den Niederlanden als Präsident des internationalen Dachverbandes wiedergewählt. Die MitarbeiterInnen der NFI gratulieren herzlich zur Wiederwahl! 
Im Gespräch erzählt Manfred Pils von seinen Visionen für die Zukunft der Naturfreundebewegung, von aktuellen Herausforderungen und seinen persönlichen Zielen.  

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In Bonn ist vor Kurzem die 23. Klimakonferenz zu Ende gegangen. Auch der Kongress der Naturfreunde Internationale stand unter dem Motto "Klimagerechtigkeit leben! Solidarisch in eine gute Zukunft!". Der Schutz des Klimas und die Klimagerechtigkeit sind also zentrale Themen der internationalen Naturfreunde-Bewegung. Was sind für dich in diesem Zusammenhang die größten Herausforderungen, wie kann ein umfassender Klimaschutz gelingen? Wie sieht eine klimagerechte Welt aus? Und was kann und wird die Naturfreunde Internationale dazu beitragen?
Der Klimaschutz muss bei den Hauptursachen ansetzen. Hier geht es vor allem um die radikale Reduktion der CO2-Emissionen in den westlichen Industriestaaten sowie in den Schwellenländern – dies betrifft im Wesentlichen die Bereiche Energiegewinnung, Verkehr, Industrie und Heizen. Die Technologien sind vorhanden, wir müssen sie nur einsetzen und das wird auch die Wirtschaft befördern. Parallel dazu müssen wir jenen, die vom Klimawandel jetzt schon massiv betroffen sind, ohne ihn mitverursacht zu haben – nämlich den Menschen in den Ländern des globalen Südens –, helfen, die negativen Folgen des Klimawandels abzuschwächen. Das bedeutet, dass beispielsweise Aufforstungsprojekte, notwendige bauliche Maßnahmen zur Stabilisierung von Küstenzonen, Projekte zur Wasserversorgung und zur Bewässerung, aber auch notwendige Umsiedlungen finanziert werden müssen.
Dazu brauchen wir gelebte Solidarität auf internationaler Ebene – und das ist genau das, wofür die NFI eintritt und wofür sie Verständnis schaffen will. Und natürlich müssen wir Naturfreunde auch selbst aktiv zur Klimagerechtigkeit beitragen, wie wir es bereits mit verschiedenen Projekten tun – z.B. mit Baumpflanzungen in Senegal und Gambia, die über den Naturfreunde Klimafonds finanziert werden. 

Die Naturfreunde stehen derzeit vor großen Herausforderungen. Zentrale Themen für viele nationale Verbände sind etwa die Erhaltung der Hütten und Häuser und die Anpassung der Angebote für Mitglieder an neue gesellschaftliche Entwicklungen. Zugleich kämpfen viele Verbände mit einem Rückgang der Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und nationalen Förderungen. Was sind deine Visionen für eine erfolgreiche Zukunft der Naturfreunde Bewegung?
Die NFI ist weit davon entfernt, ihren Mitgliedsverbänden gute Ratschläge zu geben. Aber die gemeinsame Klammer der Naturfreunde ist der nachhaltige Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen, das gemeinsame Erlebnis in der Natur und die Internationalität. Wir verbinden Freizeiterlebnisse mit progressivem Engagement für eine nachhaltige Gesellschaft. Das ist für mich das Besondere an unserer Bewegung, das wir verstärkt in den Vordergrund stellen sollten. Wenn wir mit einem modernen, zeitgemäßen Profil Menschen für unsere Bewegung gewinnen, dann können wir unsere Bewegung erneuern und zukunftsfähig machen.  
 
 Wie kann die Naturfreunde Internationale deiner Meinung nach dazu beitragen, dass diese Visionen verwirklicht werden? Und welche persönlichen Ziele hast du dir als Präsident der Naturfreunde Internationale für die kommenden drei Jahre gesteckt?
Die Naturfreunde Internationale ist das internationale Aushängeschild der Naturfreunde-Bewegung – eine ganz wichtige Funktion zur Verbreiterung der Bewegung. Unsere Stärke ist die Vielfalt der Naturfreunde, die Kreativität und das Engagement vieler ehrenamtlicher Funktionäre und Funktionärinnen. Hier wollen wir zu mehr Austausch und Bereicherung beitragen, aber auch zeigen, dass Internationalität ein wichtiger Wert in einer globalen Gesellschaft ist – sowohl für das einzelne Mitglied, als auch für das politische Engagement der Naturfreunde, wie z.B. unser Einsatz für die Klimagerechtigkeit.  
Gerade jetzt, in einer Zeit, wo die internationale Politik verstärkt von nationalstaatlichen Interessen getrieben wird und die Grundwerte unserer Gesellschaft mehr und mehr in Frage gestellt werden, braucht die NFI die volle Unterstützung ihrer Mitgliedsverbände – damit wir mit einer starken Stimme sprechen, die gehört wird. Das steht im Zentrum meiner Arbeit für die nächsten drei Jahre. 

(November 2017) 


 

 

Henk SchaafHenk Schaaf | Präsident von NIVON (Naturfreunde Niederlande) 

Im November 2016 hat Henk Schaaf das Amt des Präsidenten der Naturfreunde Niederlande übernommen. In unserem Gespräch erklärt Henk, warum er sich in der Naturfreunde-Bewegung engagiert und wie er sich die Zukunft der Organisation vorstellt.

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Warum engagierst du dich bei den Naturfreunden?
Man hat mich gefragt, ob ich in der Gruppe von NIVON in Rotterdam (mit 1.200 Mitgliedern) mitmachen möchte. In kürzester Zeit wurde ich zum örtlichen Sekretär gewählt und wurde später stellvertretender Vorsitzender. In unserer NIVON-Zentrale haben wir viele Aktivitäten in der Natur sowie kulturelle Angebote organisiert. So wurde etwa das 90-Jahr-Jubiläum der Rotterdamer Ortsgruppe mit einem Festival gefeiert, das sehr gut besucht war.
Um auch andere Mitglieder kennen zu lernen, habe ich eine nationale Versammlung aller Ortsgruppen besucht. Als ein Mitglied des Vorstandes in Rente ging, dachte ich mir, dass das für mich interessant sein könnte. Einige Monate später wurde ich schließlich in den Vorstand gewählt. Seit damals versuchen wir, NIVON besser sichtbar und bekannter zu machen – mit dem Angebot kostenlosen Infomaterials, der Teilnahme an Messen, einem neu gestalteten Magazin usw. Aber noch viel wichtiger sind unsere speziellen Aktionen und Angebote: Kinder zahlen nichts in unseren Unterkünften, wir bieten Gutscheine/Ermäßigungen für Aufenthalte unter der Woche an, wir machen Energiesparaktionen und vieles mehr.

Du hast viel Erfahrung sowohl als Journalist als auch in der Politik – und damit eine hervorragende Basis, um die vielfältigen Aufgaben der Leitung einer der größten Naturfreunde-Organistaionen zu meistern. Was sind deine persönlichen Schwerpunkte für die kommenden Jahre?
Dank meiner 40-jährigen Erfahrung als Zeitungsreporter und als ministerieller Sprecher ist es für mich ein Leichtes, an die Presse oder Regierungsverantwortliche heranzutreten. So konnte ich beispielsweise einen prominenten niederländische Politiker dafür gewinnen, die Keynote beim NFI-Kongress im Oktober 2017 zu halten.
Wir hatten auch ein Gespräch mit dem Sozialministerium, um finanzielle Unterstützung zu bekommen für die Organisation von Kurzurlauben für Kinder aus armen Familien. Als ich das Amt des Präsidenten angenommen habe, habe ich meine Ziele dargelegt: In den nächsten Jahren möchte ich die internationalen Kontakte stärken, wir werden NIVON Young neu gründen, wir werden uns bei wichtigen Themen einbringen und eine starke Position einnehmen. Wir müssen nicht noch mehr neue und detaillierte Stellungnahmen schreiben. Nein, wir setzen lieber konkrete Handlungen und bereiten praktische Lösungen vor, Unsere Freiwilligen sehen die Ergebnisse. NIVON ist jetzt auf der Siegerstraße. In den letzten Jahren haben wir Tausende Mitglieder verloren, aber seit einem halben Jahr geht es wieder bergauf: tausend Mitglieder mehr! NIVON erlebt eine Wiedergeburt!
 
In vielen Ländern werden die Naturfreunde in erster Linie als Freizeit- und Sportorganisation wahrgenommen. Die politische Arbeit hat in den einzelnen Landesorganisationen einen unterschiedlichen Stellenwert. Wie siehst du die politische Arbeit der Naturfreunde?
NIVON war eines der ersten Mitglieder des “Fair and Green Deal” und hat die NFI-Mitglieder und auch die NFI als Organisation erfolgreich dazu bewegt beizutreten. Vor einigen Monaten ist NIVON dem Nationalen Energieausschuss beigetreten. Diese Interessensgruppe hat konkrete Vorschläge für eine Gesellschaft ohne fossile Rohstoffe vorgelegt und das Niederländische Parlament aufgerufen, diese zu ratifizieren, ähnlich wie das Pariser Abkommen.
NIVON ist in erster Linie ein Treffpunkt, ein Ort für Erwachsenen- und soziale Bildung, aber auch für Freizeitgestaltung und Erholung. NIVON ist kein politischer Klub, aber viele Dinge, die wir tun, können politische Bedeutung haben. In Diskussionen und Projekten möchten wir den Menschen den Klimawandel bewusst machen, aber auch aufmerksam machen auf den gefährdeten Frieden, auf die Bedrohung durch Nuklearwaffen sowie auf die Zukunft unserer demokratischen Welt. Unsere Werte sind: “NIVON = ehrlich, grün, sozial und tolerant”. Wir teilen die Idee einer Gesellschaft, die auf Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, auf einem demokratischen Sozialismus basiert. Ist das politisch oder nicht?

Mit mehr als 350.000 Mitgliedern ist das internationale Naturfreunde-Netzwerk eine der größten NGOs der Welt. Was unser Netzwerk verbindet, ist die Verständigung auf unsere gemeinsamen Werte wie Solidarität und globale Gerechtigkeit – aber es ist eine schwierige Aufgabe, diese Werte mit Leben zu füllen und sie für jedes einzelne Mitglied auch spürbar zu machen. Wie können wir deiner Meinung nach diesen Herausforderungen in den nächsten Jahren gerecht werden?
Wie ich schon sagte: sich den Herausforderungen bewusst sein, diskutieren, in vielen Plattformen aktiv sein, sich in nationalen und internationalen Initiativen einbringen. Alle drei Jahre eine Grundsatzerklärung zu schreiben mag für den inneren Kreis nett sein, aber für die Außenwelt nicht interessant. Mein Rat: praktisch sein. Dann verstehen die Mitglieder, was wir tun, weil der Zugang nachvollziehbar und nicht nur theoretisch ist. 

NIVON

(September 2017)


 

 

Günther Abraham
© Fugler/Graz

Mag. Günter Abraham | Geschäftsführer der Naturfreunde Österreich 

Seit Anfang Juli 2017 ist Günter Abraham neuer Bundesgeschäftsführer der Naturfreunde Österreich. Er folgt Reinhard Dayer, der den Verband 44 Jahre lang sehr erfolgreich geführt hat. Im Gespräch mit Andrea Lichtenecker erzählt Günter von seinen Beweggründen für sein Engagement für die Naturfreunde und von seinen Zukunftsplänen.

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Du blickst auf eine vielfältige Karriere zurück. Was hat dich dazu bewogen, dich für die Stelle des Geschäftsführers der Naturfreunde Österreich zu bewerben?
Ich habe in Unzmarkt in der Steiermark eine wunderschöne Kindheit verbracht. Meine Eltern leben beide naturverbunden und haben ihre Begeisterung an uns Kinder weitergegeben. Die Naturfreunde begeistern mich als Bewegung, die sich dem Erhalt der Umwelt ebenso verschrieben hat wie der sportlichen Betätigung in der Natur. In meinen bisherigen beruflichen Tätigkeiten habe ich mich als Büroleiter von Umweltlandesrat Manfred Wegscheider und als Leiter des Fitreferates der ASKÖ Steiermark immer mit Sport und Umweltfragen befasst. Beide Themenschwerpunkte interessieren mich außerordentlich. Als die Bundesgeschäftsführung der Naturfreunde Österreich ausgeschrieben wurde wusste ich, dass ich meiner Leidenschaft folgen muss, und habe mich beworben!
 
Die Naturfreunde Österreich sind der mitgliederstärkste Verband innerhalb der internationalen Naturfreundefamilie. In Zeiten, in denen viele andere Naturfreundeverbände mit rückgängigen Mitgliederzahlen kämpfen, ist es in Österreich gelungen, den Mitgliederstand auf einem stabilen Niveau zu halten. Dennoch stehen auch die Naturfreunde Österreich vor großen Herausforderungen – was sind für dich die Prioritäten für die nächsten Jahre?
Ich habe mir zu Beginn meiner Tätigkeit einige Ziele gesetzt: Ich möchte die Naturfreunde für alle Generationen attraktiver machen, vor allem für die junge. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig es ist, Kinder bereits in ihren frühen Jahren für die Natur und den Naturschutz zu sensibilisieren. Ich habe oft genug miterlebt, wie viel Spaß Kinder dabei haben, die Natur als Lebensraum zu entdecken und zu erkunden. Ich werde mich für ein kompetenzorientiertes Lernen einsetzen – für ein Lernen draußen, in der Natur und mit ihr.
Neben Kooperationen mit Schulen wird einer meiner Arbeitsschwerpunkte in der Erhaltung der alpinen Infrastruktur liegen. Die Naturfreunde betreuen in Österreich ca. 15.000 Kilometer Wanderwege und rund 140 Hütten. Der Aufwand, dieses enorme Netzwerk instand zu halten, ist fast unvorstellbar.
Neue Kletter- und Boulderhallen, Innovationen im technologischen Bereich, Bildungs-angebote im Umwelt- und Naturschutz, aber auch ein modernes Hüttenmanagement sollen dazu beitragen, die Mitgliedschaft bei den Naturfreunden attraktiv zu machen. Wir werden diese Ziele durch Teamgeist und Zusammenarbeit erreichen!
 
Die Naturfreunde werden von vielen als reiner Freizeit- und Wanderverein wahrgenommen. Die Positionierung zu politischen Themen hat in den einzelnen Landesverbänden einen unterschiedlich hohen Stellenwert und auch die Themen variieren von Gesellschaftspolitik über Freihandel bis hin zu Wegefreiheit. Was sind deine Vorstellungen für die politische Arbeit der Naturfreunde?
Wir werden uns weiterhin dafür stark machen, dass der freie Zugang zur Natur mit dem freien Wegerecht im Wald und in Alpinregionen für alle Bevölkerungsschichten möglich ist, unabhängig von den finanziellen Verhältnissen. Es kommt immer wieder zu Konflikten zwischen Erholungssuchenden und Grundeigentümern. Wir wollen mit unseren Broschüren und Beiträgen in den Medien auch weiterhin die gesetzlichen Grundlagen kommunizieren und dort, wo es aus unserer Sicht notwendig ist, Forderungen stellen. So stehen wir für eine Öffnung der Forststraßen für alle Mountainbiker in Österreich – ein rechtlicher Standard, der in vielen benachbarten Ländern bereits erreicht ist!
Die Naturfreunde werden ihrer Rolle als Interessensvertretung für Mensch und Natur auch in der Zukunft gerecht werden. Freier Zugang zur Natur, darunter auch der freie Zugang zu Österreichs Seen, darf nicht eingeschränkt, sondern muss erweitert werden! Unser Gruß „Berg Frei!“ ist Ausdruck dafür, alle Versuche, die das freie Wegerecht beschneiden, mit aller Kraft zu bekämpfen.

In deiner Antrittsrede hast du ein sehr schönes afrikanisches Sprichwort verwendet: „Wenn du schnell gehen willst, dann gehe alleine. Wenn du weit kommen willst, dann gehe mit anderen gemeinsam.“ Das gemeinsame Miteinander ist nicht nur zentrales Element der Naturfreundeaktivitäten, sondern prägt auch die Zusammenarbeit der internationalen Naturfreundebewegung. Welchen Stellenwert hat für dich Internationalität in Bezug auf die Naturfreunde?
Ich bin ein glühender Europäer. Die internationale Zusammenarbeit in einem vereinigten Europa halte ich für eine besonders wichtige Aufgabe. So wie wir in Familien, Ortsgruppen, und auch in Gemeinden zusammenarbeiten, so würde ich mir die Naturfreunde zukünftig auch im internationalen Kontext wünschen. Dass wir unseren Weg eben alle gemeinsam gehen.

Naturfreunde Österreich

(Juli 2017)


 

 

Fotos Urs Wüthrich_PelloliUrs Wüthrich-Pelloli | Präsident der Naturfreunde Schweiz 

Seit 13. Mai 2017 steht Urs Wüthrich-Pelloli an der Spitze der Schweizer Naturfreunde. Der Bildungspolitiker und ehemalige Regierungsrat startet sein Amt mit großen Plänen. Im Gespräch erzählt Urs von seinen Beweggründen für sein Engagement für die Naturfreunde und von seinen Vorstellungen für die Zukunft des Verbandes.

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Du blickst auf eine langjährige politische Karriere zurück. Was hat dich dazu bewegt, dich nun für die Naturfreunde zu engagieren?
Ich leiste als Privatperson schon lange einen Beitrag zu einer intakten Mitwelt und bin seit den 1980er-Jahren Mitglied bei den Naturfreunden. Zu diesem Verein habe ich einen dreifachen Bezug. Einen geschichtlichen, weil die Naturfreunde aus der Arbeiterbewegung entstanden sind, wo ich auch herkomme. Einen sportlichen, weil ich mich für den Sport engagiere und gerne wandere. Und ich habe einen Wertebezug, weil ich meine, dass Freunde der Natur für diese auch Verantwortung übernehmen müssen.

Die Naturfreunde werden von vielen immer noch als reiner Freizeit- und Wanderverein wahrgenommen. Die politische Arbeit hat in den einzelnen Landesverbänden einen unterschiedlich hohen Stellenwert. Ebenso werden auf nationaler Ebene ganz unterschiedliche Themen angesprochen – von Atomkraft über Freihandel bis hin zu Wegefreiheit. Was sind deine Vorstellungen für die politische Arbeit der Naturfreunde?
Für mich ist es unverzichtbar, dass sich die Naturfreundebewegung bei politischen Fragen zu Natur und Landschaft wieder einmischt. Damit meine ich ausdrücklich nicht, dass die Naturfreunde zu einer politischen Partei werden oder sich nicht von einer solchen instrumentalisieren lassen. Aber die Naturfreunde müssen klar wieder ein politisches Profil erhalten und sich als Verbündete von Organisationen positionieren, die sich für nachhaltige Entwicklung und „Freunde der Natur“ engagieren.
 
Die Naturfreundebewegung steckt momentan in einer schwierigen Phase. Viele nationale Verbände kämpfen seit etlichen Jahren mit rückgängigen Mitgliederzahlen und dem Verlust von staatlichen Zuschüssen – etwa für die Erhaltung ihrer Häuser. Wie möchtest du hier auf nationaler Ebenen gegenwirken?
Die Entwicklung unserer Mitgliederzahlen und die Altersstruktur verschiedener Ortsgruppen machen deutlich, dass große Defizite in der Nachwuchssicherung aufgeholt werden müssen. Verschiedene Sektionen leben erfolgreich vor, dass Erneuerung in Kontinuität möglich ist. Ich bin zuversichtlich, dass dieser Erfolg ansteckend ist.
Ein für mich sehr wichtiges Thema ist die erfolgreiche und zukunftstaugliche Bewirtschaftung unserer Naturfreundehäuser. Hier müssen wir das unverzichtbare ehrenamtliche Engagement mit den Ansprüchen erhöhter Professionalität in Einklang zu bringen.
Und wie erwähnt, hat für mich persönlich die inhaltliche Profilierung und die politische Positionierung der Schweizer Naturfreunde große Priorität. Ich betrachte die Entpolitisierung unserer Bewegung als verhängnisvolle Entwicklung, eine Entwicklung, die Verlust von Identität, Profil und Alleinstellungsmerkmal bedeutet und die dazu führt, dass unsere Leitideen und Werte Worthülsen und wirkungslose Absichtserklärungen bleiben.
 
Du hattest in den vergangenen Jahren zahlreiche internationale Ämter inne, etwa die Schweizer Delegationsleitung und das Präsidium der Deutsch-Französisch-Schweizerischen Oberrheinkonferenz sowie die Vertretung der Schweiz im Kongress des Europarates und in der Versammlung der Regionen Europas. Welchen Stellenwert hat für dich Internationalität – gerade auch in Bezug auf die Naturfreunde-Bewegung?

Ich habe die grenzübergreifenden Begegnungen immer wieder als Bereicherung und unverzichtbare Voraussetzung für das gegenseitige Verständnis erlebt. Nur der Austausch unterschiedlicher Meinungen und Erfahrungen und die Auseinandersetzung mit Betrachtungsweisen aus einem andern Blickwinkel sorgen für gesellschaftliche Entwicklung und Stabilität. Gerade in einer immer stärker globalisierten Welt müssen sich Bewegungen wie die Naturfreunde über Landesgrenzen hinweg zu starken Netzwerken verbünden, wenn ihre Stimme bei den internationalen Entscheidungsträgern gehört werden soll. Konsequenterweise begrüße ich die Arbeit der NFI und freue mich darauf, dieses Engagement mit meinen Erfahrungen zu unterstützen.

Naturfreunde Schweiz

(Mai 2017)