Naturfreund*innen im Gespräch

 

 

Omar Jammeh, Direktor von JUST ACT Omar Jammeh

Omar Jammeh, Direktor der gambischen Organisation JUST ACT (Janjanbureh United for Sustainable Tourism and Community Training) – seit 2019 Partnerorganisation der NFI – setzt sich leidenschaftlich dafür ein, junge Menschen und Frauen in seiner Heimat zu stärken und ihnen eine Zukunftsperspektive zu geben. Mit welchen Initiativen und Projekten dies unterstützt wird, erzählt er im Interview.

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JUST ACT ist seit 2019 Partnerorganisation (C-Mitglied) der Naturfreunde Internationale. Was war eure Motivation, euch in der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu engagieren?
Unsere Motivation, Partner im NFI-Netzwerk zu werden, entstand durch die "Landschaft des Jahres" in Gambia und Senegal und durch die Beteiligung an den Vorbereitungen und der Umsetzung von Naturwanderwegen in beiden Ländern. Der Ansatz und das Modell der NFI haben uns inspiriert, vor allem in den Bereichen Klimawandel und Klimagerechtigkeit sowie Jugend- und Frauenförderung.

JUST ACT steht für „Janjanbureh United for Sustainable Tourism and Community Training“. Der Fokus eurer Arbeit liegt also in der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus und in der Ausbildung von jungen Menschen. Was genau sind eure Ziele und wie sieht eure Arbeit aus?
2015 wurde JUST ACT als unabhängige Organisation beim Nationalen Jugendrat von Gambia und bei der Generalstaatsanwaltschaft registriert und verfolgt dieselben Hauptziele wie JUST ACT Gambia.
Unsere vorrangigen Ziele sind, eine von der Gemeinschaft getragene Entwicklung zu ermöglichen, akkreditierte und nicht akkreditierte Schulungen durch lokale Organisationen zu unterstützen und dadurch Qualifikationen und Einkommensmöglichkeiten zu entwickeln, lokales Fachwissen bei der Entwicklung von Schulungen bestmöglich zu nutzen; weiters wollen wir einen verantwortungsvollen, nachhaltigen und armutsmindernden Tourismus in Janjanbureh und den umliegenden Gebieten zum Nutzen der Gemeinschaft ermöglichen, der gleichzeitig die lokale Kultur, die Traditionen und die natürliche Umwelt respektiert sowie die wirtschaftliche Wiederbelebung ländlicher Gebiete zu ermöglicht, um eine blühende Stadt für die heutige Generation von Student*innen zu schaffen und die Landflucht und die illegale Migration einzudämmen.
Unter den Jugendlichen der Insel ist die Landflucht mittlerweile rückläufig, da bereits tragfähige Projekte laufen, die Einkommen für mehr als ein Dutzend Menschen schaffen, darunter auch für Frauen und Rückkehrer*innen aus der Sahara und Europa.

Welches Potenzial hat der „Community Based Tourism“ (gemeindebasierter Tourismus) in der Janjanbureh-Region? Was bedeutet er für die Region?
Der gemeindebasierte Tourismus hat ein großes Potenzial und wirkt sich sowohl auf das Leben der Einheimischen als auch auf die Besucher*innen unserer Gemeinde aus. In Janjanbureh hat der gemeindebasierte Tourismus in der Vergangenheit viel für die Tourismusakteure und ihre Interessengruppen in der Region bedeutet.

Gemeindebasierter Tourismus basiert auf folgenden Elementen:

  • Tun – das lokale Leben hautnah erleben, nicht nur Fotos machen
  • Lernen – die Chance, etwas über das Leben und die Kultur vor Ort zu erfahren
  • Fühlen – die Erfahrung stimuliert Begeisterung, Interesse, Staunen, Respekt usw.
  • Teilen – gemeinsame Erlebnisse mit Reisebegleiter*innen und Mitgliedern der lokalen Gemeinschaften
  • Nutzen – die Mitglieder der lokalen Gemeinschaft profitieren vom Angebot der Touren …

Ich glaube, dass Gemeindebasierter Tourismus ein einzigartiges Modell ist, das eine verantwortungsvolle und nachhaltige Tourismusentwicklung ermöglichen kann, ohne die Umwelt zu gefährden oder die lokale Kultur zu kommerzialisieren – und das den Nutzen durch eine aktive lokale Beteiligung maximiert.

An welchen Projekten arbeitet ihr aktuell? Inwieweit hat die Corona-Pandemie euch und eure Arbeit getroffen?
Derzeit führt JUST ACT zwei große Projekte durch, um den Klimawandel einzudämmen:

1.    Geflügel- und Schlachthof (finanziert von ENABEL/RIEC):
Die COVID-19-Pandemie war ein großer Rückschlag für JUST ACT, aber im Laufe der Zeit konnten wir Strategien entwickeln, um einen Weg zu finden, damit zu leben und ein Tourismus- und Landwirtschaftsprojekt neu zu konzipieren, das dazu beitragen wird, Arbeitsplätze zu schaffen und auch den lokalen Markt mit gesunden und biologischen Lebensmitteln zu versorgen. Die Geflügelzucht wird durch die Auswirkungen der Pandemie auf Agrartourismus umgestellt und es wird ein integriertes landwirtschaftliches Konzept entwickelt, das die Wertschöpfungskette berücksichtigt. Mehr informationen auf der Seite von JUST ACT: https://www.justactgambia.org/post/a-second-great-building-project-for-independent-just-act

2.    Wiederherstellung von Mangroven (finanziert von den NaturFreunden Deutschlands/der deutschen Regierung):
Das Mangrovenprojekt wurde aus der Tatsache heraus geboren, dass unsere Gemeinden von Erosion und Versalzung bedingt durch menschliche Eingriffe in die Mangrovenwälder betroffen sind. Die NaturFreunde Deutschlands finanzieren die Wiederherstellung von Mangroven auf einer Fläche von fünf Hektar in Ballangharr in der Central River Region. Gemeindemitglieder werden über das Netzwerk von Jugend- und Fraueneinrichtungen in der Bewirtschaftung der Mangroven und in der Aufzucht von Bäumen geschult. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt, und die Partner für die Renaturierung kommen aus verschiedenen Umweltgruppen.
(Weitere Informationen über das Projekt finden Sie auf der Seite der Naturfreunde Deutschlands:
https://www.naturfreunde.de/naturfreunde-pflanzen-mangroven-fuer-klima-und-artenvielfalt)

Die Grenzregion von Gambia und Senegal, in der ihr aktiv seid, wurde 2018 als „Naturfreunde Landschaft des Jahres“ ausgezeichnet – die erste auf dem afrikanischen Kontinent. Was ist seither bei euch passiert? Was haben die zwei Jahre als „Landschaft des Jahres“ in der Region, aber auch für JUST ACT selbst, bewirkt?
Die „Landschaft des Jahres“ hat in Zusammenarbeit mit Jugendlichen und Frauen grenzüberschreitende Netzwerke für Gemeinden in Gambia und Senegal geschaffen, insbesondere in ländlichen Regionen. Vor allem aber hat die „Landschaft des Jahres“ dazu beigetragen, unsere natürlichen Lebensräume wiederherzustellen, indem Bäume gepflanzt, Schulungen zum Recycling oder zum Bau von Kochstellen angeboten wurden und zudem ein Wanderweg in Janjanbureh und Umgebung angelegt wurde, für den junge Menschen als Fremdenführer arbeiten.

Juli 2021


Mehr Informationen:

JUST ACT
https://www.justactgambia.org

Landschaft des Jahres Senegal/Gambia 2018–2020
https://www.nf-int.org/themen/landschaft-des-jahres/aktivitaeten/landschaft-des-jahres-senegalgambia-2018-2020

Interview mit Omar Jammeh im Rahmen der Tour d´Horizon im Jänner 2018
https://tourismlog.respect.at/2018/02/16/day-7-fairtravelling-landscape-of-the-year-senegal-the-gambia/

Virtuelle Reise nach Senegal & Gambia 2021 (Tag 4)
https://tourismlog.respect.at/2021/01/23/virtuelle-reise-nach-senegal-gambia-voyage-virtuel-au-senegal-en-gambie-virtual-journey-to-senegal-the-gambia/

Pari & Lisa / IYNF

Pari & Lisa | Präsidentinnen Internationale Naturfreundejugend (IYNF)

Seit August 2020 wird IYNF von zwei Präsidentinnen geleitet: Pari lebt in Italien und Lisa in Deutschland. In unserem Interview sprechen sie über ihre Motivation, sich bei den Naturfreunden zu engagieren, über ihre Erfahrungen mit der Doppelspitze und über ihre Ideen für die Zukunft.

 

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Ihr habt im Sommer 2020, mitten in der Corona-Krise, die Leitung der IYNF übernommen. Was war eure Motivation, in dieser besonders schwierigen Zeit Verantwortung für die IYNF zu übernehmen? Und welche Herausforderungen hattet ihr bisher zu bewältigen?

Lisa: Im Jahr 2018 habe ich einen Europäischen Freiwilligendienst im IYNF-Sekretariat absolviert. Dabei lernte ich die Geschichte, die Werte, das Netzwerk und die Arbeitsabläufe der Organisation kennen und hatte die Chance, meine Kompetenzen innerhalb einer internationalen Jugend-NGO zu formen. Der nicht-formale Bildungsansatz bei den Aktivitäten lenkte den Fokus auf meine Leidenschaften: die Sorge um die Natur und die Menschen. Nach dem Freiwilligendienst blieb ich als Vize-Präsidentin bei IYNF, um die Arbeitsabläufe in der Organisation weiter zu festigen und zu strukturieren. Kombiniert mit meinen Interessen an persönlicher Entwicklung, einem gesunden Lebensstil, dem Leben im Rhythmus der Natur und dem interkulturellen Wissensaustausch entwickelte ich zusammen mit dem engagierten Team der Naturfreunde die Erasmus+ Youth Worker Mobility "Health & Wellbeing through Nature-based Methods'' (HWNM). Der Lehrgang findet im Mai 2022 statt.
Meine Motivation, als Präsidentin im IYNF-Präsidium zu bleiben, hatte nichts mit der Pandemie zu tun. Ich sah die Notwendigkeit, als Teil eines starken und vielfältigen Teams weiterzumachen, um weiterhin effektive Arbeitsstrukturen aufzubauen und einen motivierten Teamgeist zu entwickeln. Die Pandemie hat gezeigt, dass IYNF bereit ist, seine Expertise im Bereich der digitalen Bildung zu erweitern, was neben dem ganzen COVID-Management, das das Sekretariat zu leisten hatte, einen Mehrwert für die Organisation darstellte. Ich denke, dass die größte Herausforderung, die es zu bewältigen galt – und wir kommen gerade erst ein wenig aus dem "Schlupfloch" heraus – darin bestand, das IYNF-Präsidium und die Freiwilligen motiviert zu halten. Die Verbindung über die digitale Medien ist eine effektive Ergänzung zur Jugendarbeit, aber sie ersetzt nicht die Vorteile der persönlichen Interaktion. Eine weitere Herausforderung, die durch die Pandemie katalysiert wurde, war, in Zeiten der Unsicherheit und des Wandels fokussiert und präsent zu bleiben, und damit ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir als junge Menschen immer noch einen großen Einfluss darauf haben, die Welt, in der wir leben wollen, mitzugestalten.

Pari: Als ich zum ersten Mal nach Europa kam, hatte ich keinerlei Erfahrung mit Aktivismus. Als ich 2016 zum ersten Mal zum nationalen Gian-Gio-Treffen mit Italiener*innen eingeladen wurde, hatte ich keine Ahnung, was politischer Aktivismus und zivile Verantwortung sind. Meine Motivation, jetzt Präsident der IYNF zu sein, entspringt genau an diesem Punkt. Ich möchte dafür kämpfen, dass eine neutralere und aktivere Jugend die richtige Familie mit den Werten der Naturfreunde findet, um für unseren Planeten zu kämpfen.
Meine Erfahrungen mit diesem erstmaligen dualen Führungssystem sind bisher sehr positiv. Aus meiner Sicht ist es eine sehr funktionale Struktur, besonders wenn es um Entscheidungen über Aufgaben und Zeitmanagement geht. Wir hatten bisher einige sehr interessante informelle Online-Treffen während der Pandemie und das hat uns als Präsidentinnen sehr geholfen, mit unserer Verbindung in Verbindung zu bleiben.
Pandemie? Ja! Es war in der Tat sehr schwierig. Unser Präsidiumsteam hat noch keinen einzigen Tag zusammen verbracht. Wir haben versucht, unsere Online-Sitzungen einigermaßen interaktiv zu halten und unser Bestes zu geben, um alle Bedürfnisse und Wünsche der Mitglieder zu berücksichtigen, damit sie sich wohlfühlen und motiviert sind. Auch unser Sekretariat hatte einen massiven Aufwand mit Sperrungen und Quarantäne. Alles in allem, denke ich, haben wir das alle gut gemeistert und unsere Energie bis zum Ende der Saison beibehalten. Hoffentlich kommen wir zur Sommersonnenwende wieder persönlich zusammen und genießen ein wenig Zeit ohne Bildschirm.
Was mich motiviert hat, war die Präsenz der anderen Präsidiumsmitglieder. Es war wichtig zu sehen, dass alle ihr Bestes geben, um diese Phase gemeinsam zu meistern. Und das war ja auch der Fall!

Wie seid ihr mit den Naturfreunden in Kontakt gekommen? Und was sind eure Visionen für die Zukunft der Naturfreunde-Bewegung?
Pari: Im Jahr 2016 erzählte mir ein Freund an der Universität von einem Gian-Gio-Treffen. Um ehrlich zu sein, nach dem Treffen bin ich in die Natur eingetaucht, habe so viele junge Leute getroffen und fühlte mich zum ersten Mal in einen italienischen Kontext eingebunden (auch wenn mein Italienisch nicht so gut war) – das war ein Segen! Und zum ersten Mal habe ich nicht-formale Bildung erlebt. All das hat mich dazu gebracht, ein aktiverer Teil der Gruppe zu sein.

Lisa: Mein Weg zur Naturfreunde-Bewegung ist eine längere Geschichte, aber die erzähle ich lieber bei einem gemeinsamen Tässchen Tee ... Die kurze Geschichte ist, dass meine frühere Beziehung mich nach Prag gebracht hat und um dort meinen Lebensunterhalt zu verdienen, suchte ich nach einer sinnvollen Tätigkeit, die mit Aktivitäten in der Natur und dem Bewusstsein über den Klimawandel verbunden sein sollte.

Soweit ich weiß, ist die IYNF die erste Naturfreundeorganisation mit einer Doppelspitze. Wie funktioniert das in der Praxis?
Lisa: Auch die Naturfreundejugend Deutschlands (NFJD) wird in einer Doppelspitze geführt und das Konzept geht eigentlich auf einen Antrag der NFJD bei der IYNF-Vollversammlung 2018 zurück. Die Idee hinter der Doppelspitze ist, die Hierarchie in der Führung der Organisation abzuflachen. Sie hilft dabei, repräsentative Aufgaben auf mehrere Personen zu verteilen. Ein weiterer Grund für die Doppelspitze ist, mehr Vielfalt in repräsentative Funktionen zu bringen. Um die Vielfalt in der IYNF-Doppelspitze zu gewährleisten, ist die Bedingung für die Konstituierung, dass die Personen aus verschiedenen Mitgliedsorganisationen kommen und dass sich mindestens eine von ihnen nicht als männlich identifiziert.
In der Praxis hält die Doppelspitze eine engere Verbindung zur Geschäftsstelle für die strategische Planung im Präsidium.

Pari: Ich denke, es ist eine Chance. Ich muss sagen, Lisa auf der gleichen Machtpositionsebene zu haben, erlaubt es mir, eine Person neben mir zu haben, wenn es um Brainstorming geht oder darum, Dinge im Vorfeld zu besprechen. Ich genieße meine berufliche Rolle neben ihr genauso sehr wie ich es genieße, ihre Freundin zu sein. Aus logistischer Sicht war es bisher sehr hilfreich, dass man kurzfristige juristische Fragen nicht alleine entscheiden muss, weil es eine zweite Person gibt, die man um Hilfe bitten kann.

Dank Fridays for Future erheben immer mehr junge Menschen ihre Stimme und fordern verantwortungsvolles Handeln – sowohl von politischen Entscheidungsträger*innen als auch von der Generation ihrer Eltern und Großeltern. Doch es passiert noch viel zu wenig, um den menschengemachten Klimawandel zu verlangsamen und unser Wirtschaftssystem in Richtung Nachhaltigkeit zu transformieren. Was ist nötig, um einen Wandel herbeizuführen? Und wie können NGOs wie die Naturfreunde dazu beitragen?
Pari: Ich bin froh, dass am Anfang dieser Frage die Fridays for Future-Bewegung erwähnt wird. In den letzten Jahren, in denen ich mich für Klimagerechtigkeit engagiere, habe ich immer mehr Erkenntnisse darüber gewonnen, dass Proteste ein Muss sind. Es hilft zwar, als Einzelner ökologisch und kohlenstoffemissionsfrei zu leben, aber es reicht nicht aus, wenn es um den schnellen Wandel geht, den wir brauchen. Nun, was können die Naturfreunde meiner Meinung nach tun? Erreichen wir die Jugend! Über non-formale und informelle Bildung können wir viel für Klimagerechtigkeit und Klimabildung erreichen. Unsere Organisation mit ihrer basisorientierten Struktur ist perfekt, um in kleinen Städten und Dörfern ebenso wie in Großstädten zu agieren. Der erste Schritt ist, die Jugend zu erreichen, indem man den jungen Menschen die notwendige Unterstützung und Kraft gibt, um selbst aktiv zu werden.

Lisa: Die Veränderung kommt aus unserer eigenen Denkweise. Wenn wir damit beginnen, Gewohnheiten zu kultivieren, die einen gesunden Lebensstil unterstützen, fangen wir an, nach den Rhythmen der Natur zu leben und können vielleicht lernen, was es wirklich braucht, um ein glücklicher Mensch zu sein. Es ist damit verbunden, ein wertebasiertes Grundgerüst für eine Welt aufzubauen, in der wir glücklich sind. Außerdem geht es um Selbstermächtigung, um Verantwortung und um die Entscheidung, einen Unterschied zu machen. Wenn wir uns dafür entscheiden, zunächst einmal Vorbilder für die Lebensweise zu werden, die wir auch von anderen erwarten, dann müssen wir in diese Rolle schlüpfen. Und damit wird es auch wahrscheinlich, dass sich eine Gemeinschaft bildet, dass sich Gleichgesinnte zusammenfinden und neue Mehrheiten Veränderungen bewirken.

Bei der Veränderung geht es nicht um Du und Ich oder Sie und Wir – bei der Veränderung geht es darum, das, was ist, zu integrieren und zu transformieren. Dieser Prozess hat die Kraft, verschiedene Systeme anzusprechen, sei es das wirtschaftliche, gesundheitliche, soziale oder digitale System. Sobald wir uns für Selbstverantwortung und damit Selbstliebe öffnen, werden wir sehen, dass all die kleinen Entscheidungen innerhalb der individuellen Veränderung miteinander verbunden sind. Wir müssen nur an das Leben glauben und ihm dienen.

Die Naturfreunde-Organisationen können diesen Paradigmenwechsel der bewussten Ko-Kreation unterstützen, indem sie zu ihrer Gemeinschaft mit Aktivitäten beitragen, die sich auf die tieferen Ebenen des individuellen Engagements konzentrieren. Ziel ist es, junge Menschen dabei zu unterstützen, sich wieder mit ihrem wahren Selbst zu verbinden, so dass sie sich ihrer Bestimmung bewusst werden, indem sie methodische Rahmen entwickeln, die uns wieder mit uns selbst und der Umwelt verbinden.

Juni 2021

 

Susi Raub-Vogler | Internationale Sekretärin der Naturfreunde Kalifornien Susi Raub

Susi Raub-Vogler ist seit 1999 Internationale Sekretärin der Naturfreunde Kalifornien und vertritt ihre Organisation im internationalen Naturfreunde-Netzwerk. Im Interview spricht sie über ihre Motivation, ihre Arbeit für die Naturfreunde und ihre Visionen für die Zukunft.

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Du bist seit vielen Jahren bei den Naturfreunden in Kalifornien aktiv – wie bist du zu den Naturfreunden gekommen und was hat dich bewogen, dich in unserer Bewegung zu engagieren?
Ich verdanke mein Engagement bei den kalifornischen Naturfreunden meinen Eltern, die 1960 aus Deutschland nach San Francisco ausgewandert sind. Ihr Bedürfnis, Erholung vom Großstadt-Kulturschock zu finden, führte sie zum "Nature Friends Tourist Club" von San Francisco, der 1912 von Österreicher*innen und Deutschen gegründet wurde. Meine Eltern freuten sich, in einer wunderschönen Umgebung, die sie an den Schwarzwald erinnerte, so etwas wie eine Verbindung zum „alten Land“ zu finden.
Ich wurde quasi in den Club hineingeboren und bin schon mein Leben lang Mitglied. Mein Vater war 28 Jahre lang der Internationale Sekretär der Naturefriends California, bis ich 1999 seine Position übernahm. Es war für mich selbstverständlich, in seine Fußstapfen zu treten, da ich die wunderbaren Vorteile genoss, in der Naturfreunde-Organisation und unter seiner internationalen Erfahrung aufzuwachsen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir gesunde menschliche Aktivitäten und die Gemeinschaft fördern müssen, um ein gesundes und lebenswertes Umfeld zu schaffen – und das fördern die Naturfreunde. Durch unsere Gemeinschaft können wir Menschen motivieren, mitzuhelfen, um das zu erhalten, was wir so sehr schätzen: eine intakte Umwelt und das Miteinander. Die Bereicherung, die ich durch die Naturfreunde erfahren habe, ist von unschätzbarem Wert!

Die Naturfreunde haben sehr unterschiedliche Schwerpunkte in den verschiedenen Ländern. Viele Gruppen veranstalten Freizeitaktivitäten für ihre Mitglieder und betreiben Naturfreundehäuser. Bei einigen Organisationen steht auch die politische Arbeit im Vordergrund – von Lobbyarbeit für eine starke Natur- und Umweltgesetzgebung bis hin zur Arbeit für Frieden und Menschenrechte. Was sind die Prioritäten deiner Organisation?
Die Prioritäten unserer Organisation sind der Naturschutz, indem wir den Zugang zur Natur und die Bewusstseinsbildung fördern, die Schaffung einer Gemeinschaft, die zum Wohlbefinden aller beiträgt, und die Fortführung und Weitergabe der kulturellen Traditionen der Gründungsväter gemäß unserem Leitbild. Im Laufe der Zeit ist unsere Organisation hinsichtlich der Menschen und Aktivitäten vielfältiger geworden. Jedes unserer Naturfreundehäuser hat seine eigene Atmosphäre und Kultur entwickelt, die unseren Verein noch facettenreicher und interessanter macht.
Meine Rolle umfasst hauptsächlich die Vernetzung innerhalb des Vereins und gelegentlich auch die Abstimmung mit Interessen von außerhalb. Ich habe auch Aktivitäten organisiert und durchgeführt. Zusätzlich hat meine Erfahrung mit den Naturfreunden meine Arbeit als Outdoor- und Umweltpädagogin unterstützt.

Aufgrund der Distanz nach Europa, wo wir normalerweise unsere internationalen Konferenzen und Begegnungen abhalten, ist es für dich und deine Kolleg*innen schwierig, regelmäßig teilzunehmen. Fühlst du dich dennoch als Teil einer internationalen Bewegung? Und was bedeutet „Internationalität" für dich?
Nun, die Zoom-Meetings haben sich als großer Vorteil erwiesen, da sich die verschiedenen Naturfreundeorganisationen aus unterschiedlichen Ländern virtuell treffen und ihre Initiativen austauschen können; mit dem zusätzlichen Bonus einer geringeren Umweltbelastung! Ich habe das Gefühl, dass wir in diesen Zeiten des erhöhten Klimabewusstseins mehr oder weniger Teil einer internationalen Bewegung sind. Global sind wir durch die Umwelt verbunden, durch die Atmosphäre, durch die Ozeane ...  „Internationalität“ kann als der Antrieb der internationalen Klimabewegung wahrgenommen werden, die an der Spitze des aktuellen Geschehens steht. Wir sind alle betroffen und verbunden – alle Nationen spüren mehr oder weniger die Auswirkungen der Handlungen der anderen.
Auf der Ebene der Naturfreunde-Organisation sind wir eine unpolitische Fraktion der ursprünglichen Naturfreunde, aber als individuelle Mitglieder engagieren wir uns für die internationalen Bemühungen, die drohenden globalen Krisen zu reduzieren. Ich bin zuversichtlich, dass die Naturfreunde eine treibende, solidarische Kraft sind, die den gesellschaftlichen Diskurs für die Rettung unseres Planeten, die nicht schnell genug voranschreiten kann, unterstützt. Wir als Mitglieder der Naturfreunde sind die ideale Gruppe, um zum Erfolg der Klimabewegung beizutragen. Individuell können wir jederzeit klügere Entscheidungen treffen, ebenso wie als Kollektiv. Die Pandemie hat wertvolle Einblicke in die Gesellschaft und ihr grundlegendes Bedürfnis, sich umeinander zu kümmern, gegeben und führt hoffentlich auch zu einem besseren Umgang mit unserem Lebensraum.

Zu Beginn der Pandemie war Solidarität – einer der Kernwerte der Naturfreunde – ein zentrales Thema im gesellschaftlichen Diskurs in Europa, aber mit dem Fortschreiten der Krise ist sie mehr und mehr in den Hintergrund gerückt. Wie sieht die Situation in deinem Land aus? Und welche Rolle können NGOs wie die Naturfreunde bei der Umsetzung dieses Wertes spielen?
Die Solidarität in den USA war unter unserer vorherigen Regierung aufgrund des von ihr verursachten Chaos gefährdet. Ich denke, es ist ein inhärenter Nachteil, Solidarität in größeren Bevölkerungsgruppen zu erwerben. Ich glaube auch, dass der Verlust der Solidarität symptomatisch für das Misstrauen gegenüber einer neuen Herausforderung in der Gesellschaft, wie der Pandemie, ist. NGOs wie die Naturfreunde könnten dazu beitragen, einen gesellschaftlichen Diskurs anzuregen. Wenn sich die Mitglieder beteiligen und zusammenarbeiten, schafft das eine potenzielle kritische Masse, die auch etwas bewirken kann. Ich hoffe, dass die Pandemie uns genug innehalten ließ, um zu erkennen, dass unser Lebensrhythmus weder nachhaltig noch gesund ist, und dass wir unsere gesellschaftlichen Ziele neu bewerten und die existenzielle Bedrohung erkennen müssen, die wir unnötigerweise über uns selbst und unseren Planeten gebracht haben. Obwohl unsere irdischen Probleme riesig und kompliziert sind, können wir Hoffnung und Sinn in Form von Fürsorge und Liebe finden.

(April 2021)

 

Clara Wengert | Vizepräsidentin der NFI Clara Wengert

Clara Wengert ist Mitglied des Bundesvorstandes der NaturFreunde Deutschlands und seit dem XXIV. NFI Kongress auch Vizepräsidentin der NFI. Im Gespräch erzählt sie von ihrer Motivation für die Naturfreundearbeit und von ihren Vorstellungen für die Zukunft.

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Du engagierst dich schon seit vielen Jahren auf unterschiedlichen Ebenen für die Naturfreunde. Wie bist du zu den Naturfreunden gekommen? Und was hat dich dazu bewogen, dich gerade hier aktiv einzubringen?
Mein erster Kontakt mit den NaturFreunden war mit vier Jahren, als ich an regelmäßigen Treffen einer Kindergruppe in der Nachbarschaft teilgenommen habe. Über die Gruppe konnte ich als Kind und auch später als Jugendliche an verschiedenen Ferienfreizeiten im In- und Ausland teilnehmen und viele prägende Ferienerlebnisse sammeln. Über die Teilnahme an den Bundeskonferenzen der Naturfreundejugend bekam ich recht unerwartet die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen solcher Freizeiten auch für andere Kinder und Jugendliche mit zu steuern, indem ich die Leitung des Fachbeirats Reisen und Sport übernahm. Zwei Jahre später übernahm ich dann die Bundesleitung der Naturfreundejugend Deutschlands in einer Doppelspitze, bevor ich 2017 in den Bundesvorstand der NaturFreunde Deutschlands gewählt wurde.

Was mich antreibt in meinem Ehrenamt sind die Ideen und Werte der NaturFreunde, das umfassende Verständnis der Nachhaltigkeit in all ihren Dimensionen und die Notwendigkeit, die Gesellschaft im Zuge der sozial-ökologischen Transformation mitzugestalten.

Bis 2016 warst du Bundesleiterin der NaturFreundejugend Deutschlands. Hauptamtlich bist du als Geschäftsführerin des Deutschen Bundesjugendringes ebenfalls für Jugendagenden zuständig. Wie sieht für dich erfolgreiche Jugendarbeit aus und wo siehst du aktuell – gerade auch angesichts der Corona-Krise – die größten Chancen und Herausforderungen?
Erfolgreiche Jugendarbeit bedeutet für mich einen aktiven Jugendverband, der selbstständig und selbstorganisiert die Themen der NaturFreunde-Bewegung mit Leben füllt. Ausschlaggebend dafür ist eine aktive Jugendarbeit vor Ort, die jungen Menschen über regelmäßige Gruppenarbeit, Ferienfreizeiten oder Kampagnenarbeit die Möglichkeit gibt, ihr Umfeld zu gestalten, ihre Interessen zu vertreten und gemeinsam Spaß zu haben.

Die Corona-Krise nimmt aktiver Jugendverbandsarbeit in Deutschland gerade die so wichtige Vielfalt der Formate. Über digitale Veranstaltungen können zwar kurzfristig Kontakte gehalten werden, aber eine „normale“ Jugendarbeit ist nicht möglich. Aktuell besteht daher die große Herausforderung, Gruppen am Leben zu halten und trotz aller Schwierigkeiten Angebote für junge Menschen zu machen.

Gleichzeitig zwingt uns die Pandemie mit ihren Einschränkungen, neue Prioritäten zu setzen. Sie bietet die Möglichkeit, der Moment zu sein, der uns zum Umdenken bringt und Politik und Gesellschaft dazu bewegt, endlich zwingend notwendige Weichenstellungen in Richtung einer umweltschonenderen Lebensweise vorzunehmen. Auch gesellschaftliche Probleme wie Armut, prekäre Arbeitsverhältnisse oder ungleiche Chancen werden durch die Krise verschärft und rücken dadurch verstärkt in den politischen Fokus. Vielleicht schaffen wir es ja, tatsächlich umzusteuern hin zu einer solidarischeren Gesellschaft. 

Die NaturFreunde Deutschlands sind auf internationaler Ebene sehr aktiv, z.B. im Rahmen des Netzwerkes NaturFreunde Global. Wie wichtig ist für dich Internationalität im Zusammenhang mit der Naturfreunde-Bewegung?
Die Internationalität ist ein Grundbestandteil der Naturfreunde-Bewegung. Seit den Anfängen der NaturFreunde finden internationale Aktivitäten auf allen Ebenen der Bewegung statt. Viele Ortsgruppen haben direkte Kontakte zu Ortsgruppen in anderen europäischen Ländern, aber auch in afrikanischen Ländern oder nach Südamerika. Insbesondere die Aktivitäten mit unseren Partner*innen im Senegal, in Togo und in Gambia sind momentan eine wichtige Säule der Arbeit der NaturFreunde Deutschlands. Die angestrebte Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglicht einen sehr aktiven internationalen Austausch für beide Seiten, bietet aber auch eine Sichtbarkeit der NaturFreunde innerhalb Deutschlands im Themenfeld.

Solidarität ist eines der Kernthemen der Naturfreunde. Wir versuchen mit etlichen konkreten Initiativen, wie der Landschaft des Jahres in Senegal und Gambia oder den diversen KlimaFonds-Projekten einen Beitrag zu internationaler Solidarität zu leisten und setzen uns auch auf politischer Ebene für ein solidarisches Miteinander ein. Zu Beginn der Pandemie war Solidarität auch ein zentrales Thema im gesellschaftlichen Diskurs, das jedoch mit Fortbestand der Krise immer mehr in den Hintergrund gerückt ist. Welche Rolle spielen deiner Meinung nach NGOs wie die Naturfreunde in der gegenwärtigen Situation? Und wie können wir gerade jetzt wirkungsvoll zu mehr Solidarität beitragen?
Es war tatsächlich auffällig, dass das Medieninteresse und der Fokus zu Beginn der Pandemie auf der weltweiten Entwicklung lag und viel internationale Solidarität spürbar war. Es war jederzeit deutlich, dass eine solche Pandemie nur gemeinsam überwunden werden kann. Leider ist dieser Fokus schnell komplett verloren gegangen. Geschlossene Grenzen und eingestellte Zug- und Flugverbindungen sogar in unsere Nachbarländer hätten wir uns noch kurz davor nicht vorstellen können.

Ich denke, dass NGOs momentan eine wichtige Funktion als gesellschaftliche Akteure haben. Sie machen aufmerksam auf die Situation und fordern politische Lösungen. Die NaturFreunde machen daher auch weiterhin Angebote für ihre Mitglieder – wenn auch verstärkt im digitalen Raum. Sie machen deutlich, dass Inzidenzzahlen nicht das einzige Thema sein dürfen und Solidarität sowohl im nationalen als auch internationalen Kontext weiterhin gelebt werden muss. Wenn sich Staaten immer stärker auf eine nationale Denkweise zurückziehen, müssen wir als NaturFreunde immer wieder den Finger in die Wunde legen. Auch wenn persönliche Begegnungen gerade nicht möglich sind, ist Solidarität innerhalb der eigenen NaturFreunde-Gruppe auf persönlicher Ebene möglich, z.B. über Telefonaktionen oder Unterstützung im Alltag.

Im internationalen Kontext steht für uns momentan an erster Stelle, bestehende Strukturen und Programme am Leben zu erhalten, politisch einzufordern, dass nationale Denkweisen nicht zum Ziel führen werden und dafür zu sorgen, dass wir nach der Pandemie wieder durchstarten können – und nicht viele Dinge eingespart wurden oder schlicht die Pandemie nicht überstanden haben.

(März 2021)

 

 

Wilfried Meulenbergs | Vizepräsident der NFIWilfried Meulenbergs

Wilfried Meulenbergs wurde vom XXIV. NFI Kongress am 28. November 2020 zum Vizepräsidenten der NFI gewählt. Er ist bereits seit sehr vielen Jahren für die Naturfreunde aktiv – sowohl für den flämischen Verband ATB „De Natuurvrienden“ als auch auf internationaler Ebene. Im Gespräch erzählt der passionierte Bergsteiger von seinem Engagement und seinen Vorstellungen und Ideen für die Naturfreundearbeit.

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Wie bist du zu den Naturfreunden gekommen und was hat dich dazu bewogen, selbst für die Naturfreunde aktiv zu werden?
Es war auf einer riskanten Wanderung in den Lechtaler Alpen (Österreich), als ich meinen ersten Naturfreund traf. Er gab uns den Rat, eine Bergsteigerausbildung zu machen, um die nächste Wanderung etwas weniger abenteuerlich zu gestalten. So landete ich beim Schulungskurs und in der Meisterklasse Eisgehen, an der Hochgebirgschule Glockner-Kaprun von Fritz Moravac. Von da an traf ich regelmäßig mit großartigen NaturfreundInnen zusammen und erkundete die wunderbaren Berge dieser Welt.
Nachdem ich meine Bergführerausbildung in der Schweiz abgeschlossen hatte, schloss ich mich den belgischen Naturfreunden an und wurde ihr Ausbilder und schließlich ihr technischer Leiter. Da ich über das Bergsteigen bereits die Freude und den Vorteil von internationalen Freundschaften genießen konnte, war ich froh, als ATB Natuurvrienden mir die Möglichkeit gab, mich formell in der NFI zu engagieren, zunächst als Experte für Bergsteigen und später als Vorstandsmitglied.

Die Naturfreunde haben auf nationaler und regionaler Ebene sehr vielfältige Schwerpunkte. Viele Gruppen organisieren Aktivitäten für ihre Mitglieder und betreiben Naturfreundehäuser. Ein zentrales Thema ist auch die politische Arbeit für die Anliegen der Naturfreunde – von Natur- und Umweltschutz bis hin zum Einsatz für Frieden und Menschenrechte. Wo liegen deine persönlichen Prioritäten?
Meine zwei Hauptleidenschaften haben mich zu den Naturfreunden geführt: die Liebe zur Natur (besonders zu den Bergen) und die Freude an der Begegnung mit Menschen aus verschiedenen Kulturen. Bei den Naturfreunden habe ich eine zusätzliche Dimension entdeckt: die soziale. Unser „Berg frei!“ hat mich wirklich beeindruckt, und ich erkenne jetzt, dass diese einfachen Worte und die schüttelnden Hände in unserem Emblem eine tiefe und sehr wichtige Bedeutung haben. Außerdem habe ich gelernt, dass meine Leidenschaft für das Bergsteigen und Reisen nicht ohne Respekt vor der Natur und den Menschen gelebt werden kann, und dass Nachhaltigkeit das Schlüsselwort für unsere Zukunft ist. Bei den Trainings und Expeditionen, die ich in unserer Organisation mitorganisiere, geht es also keineswegs nur um „Bergsteigen“, sondern um Natur, Nachhaltigkeit, Respekt, Solidarität ...
Und da liegen meine Prioritäten in der Arbeit mit den Menschen im Rahmen unserer Aktivitäten: gemeinsam das gute, einfache Leben genießen, nahe an der Natur, sich gegenseitig auf dem Weg helfen, wobei Freundschaft und Solidarität so viel wichtiger sind als das Erreichen eines Gipfels oder irgendeines prestigeträchtigen Ziels! Darin sind wir NaturfreundInnen eine einzigartige „Marke“ innerhalb der Outdoor-Branche. Unsere Mission ist nicht, mehr Geld zu haben, mehr Mitglieder zu bekommen, sondern unsere starken Werte mit unseren TeilnehmerInnen und Mitgliedern zu teilen.

Internationalität und Solidarität sind zentrale Werte der Naturfreundebewegung, die uns auch von vielen anderen „Freizeitorganisationen“ unterscheiden. Was bedeutet es für deinen Verband ATB „De Natuurvrienden“, Teil der internationalen Naturfreundebewegung zu sein? Und wie werden die traditionellen Werte der Naturfreunde von euren Mitgliedern wahrgenommen?
Ich höre (und lese in Bewertungsbögen) immer wieder von TeilnehmerInnen, dass das, was sie bei unseren Aktivitäten und Trainings erleben, ganz anders ist als das, was sie in anderen Freizeitorganisationen erlebt haben. Bergsteigen neigt dazu, eine Menge Machismus, Wettbewerb und Möchtegern-Heldentum in sich zu tragen. Nichts von alledem findet sich in unseren Aktivitäten. Unsere TrainerInnen sind „Guides am Rande“ statt Seil ziehende Machos. Unsere Gruppen halten zusammen, helfen sich gegenseitig. Wir kochen gesund (und gemeinsam) auf unseren Camps, wir campen umweltschonend, wir beuten die Natur nicht aus, sondern respektieren sie, während wir uns in ihr aufhalten ... Immer wieder Menschen werden zu begeisterten Gästen in Naturfreundehäusern, auch nach nur einer Nacht in einem unserer schönen Häuser unseres internationalen Netzwerks. Und wenn sie hören, dass es NaturfreundInnen in Afrika und sogar auf der anderen Seite des Ozeans gibt, staunen sie und freuen sich, dass sie Teil dieser Bewegung werden können, die sich für eine bessere Welt einsetzt.

COVID-19 hat die Naturfreundearbeit in den letzten Monaten stark eingeschränkt. Viele Naturfreundehäuser mussten geschlossen, gemeinsame Reisen und andere Aktivitäten abgesagt werden. Ein Ende der Pandemie ist momentan leider noch nicht absehbar. Welche besonderen Herausforderungen und Chancen siehst du für die Naturfreunde in der derzeitigen Situation?
Auch wenn ich, meine Familie und Bekannten ebenfalls unter den eingeschränkten Möglichkeiten aufgrund der Corona Beschränkungen leiden, sehe ich es auch als (einen weiteren) Weckruf: Wir sind verletzlich, das kapitalistische Paradigma des Wachstums ist überhaupt nicht nachhaltig. Auch in dieser Krise sehen wir wieder den erbarmungslosen „Matthäus-Effekt“*: Die Schwächsten leiden am meisten, Handwerker verlieren ihre Jobs, die Gebildetsten können daheim arbeiten, der Westen kauft Impfstoffe um jeden Preis, aber ärmere Länder bleiben zurück, in den Flüchtlingslagern auf den Inseln leben die Menschen unter immer schlechteren Umständen ...
Wir NaturfreundInnen müssen wieder für mehr Solidarität und Nachhaltigkeit eintreten. Es braucht ein Denken über den Tellerrand hinaus, kein „business as usual“. Es braucht Nachdenken und Planung: Wie können wir unsere Aktivitäten mehr für die Schwachen von heute öffnen (in Belgien sind MigrantInnen und Flüchtlinge und besonders die so genannten „Sans-Papiers“ die Allerschwächsten)? Vor 100 Jahren setzten sich unsere Gründer dafür ein, die benachteiligten ArbeiterInnen „aus den schmutzigen Fabriken und Städten herauszuholen“, damit sie die Natur genießen konnten: Heute sind andere Gruppen benachteiligt. Warum öffnen wir für sie zum Beispiel nicht unsere Häuser in Anlehnung und Erinnerung an unser „Berg frei!“?

(Februar 2021)

*Matthäus, 25,29: Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

 

 

 

 

Ursula Vetter | Vizepräsidentin der NFI

Ursula Vetter ist seit dem XXIV. NFI Kongress am 28. November 2020 als Ursula Vetter
Vizepräsidentin im Vorstandsteam der NFI. Die gebürtige Deutsche ist seit vielen Jahren für die Naturfreunde Italien aktiv und erzählt im Gespräch von ihren Plänen und Ideen für die internationale Naturfreundearbeit.

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Ursula, du engagierst dich schon seit vielen Jahren für die Naturfreunde Italien. Wie bist du zu den Naturfreunden gekommen? Und wie kam es dazu, dass du dich nun auch zusätzlich auf internationaler Ebene für die Naturfreunde einsetzen möchtest?
Ich habe die Naturfreundebewegung gleich nach meiner Ankunft in Italien 1998 kennen gelernt. Ich kam damals aus Paris, wo ich über 10 Jahre lang an einer Waldorfschule unterrichtet habe und fühlte mich eher zur Kultur als zur Natur hingezogen. Als Lebenspartnerin von Luciano Busdraghi, für den das Naturfreundehaus Gran Pino und die Naturfreundebewegung Lebensmittelpunkt waren, begleiteten die Naturfreunde auch mich in meiner Integration in Italien. Nach der Geburt unserer Tochter 2005 begann ich erstmals die Bedeutung einer stabilen Gemeinschaft, eines Lebens im Freien in direktem Kontakt mit der Natur kennen und schätzen zu lernen.

Seit 2017 bin ich im Vorstand der italienischen Naturfreunde GIAN. Eines unserer Hauptziele ist es, die Bewegung aus ihrer „Häuser-Zentriertheit“ heraus auf eine nationale Ebene zu bringen, die über die geographischen und soziologischen Unterschiede hinaus zu einer Gemeinschaft wachsen kann. Von Anfang an hat mich begeistert, wie die italienischen Ortsgruppen mit Menschen aus Amerika, Afrika und dem Balkan in Partnerschaft stehen – genauso wie die Tatsache, dass die italienische Bewegung aufgrund der Initiative der französischen Naturfreunde entstanden ist.

Freundschaft, Partnerschaft, internationale Begegnung stehen im Mittelpunkt der internationalen Naturfreundebewegung. Hier fühle auch ich mich als Deutsche, die in Frankreich eine Heimat sieht und inzwischen seit über 20 Jahren in Italien lebt, zu Hause. Ein weiterer Schritt hin zur NFI war für mich die Begegnung mit der internationalen Naturfreundejugend 2018 im Naturfreundehaus Gran Pino in Cecina. Die dynamische, engagierte, herzliche, internationale Atmosphäre, die diese jungen, begeisterten Menschen mitgebracht haben, hat uns alle beeindruckt.

Die Naturfreunde haben auf nationaler und regionaler Ebene sehr vielfältige Schwerpunkte. Viele Gruppen entwickeln attraktive Freizeitangebote für ihre Mitglieder und/oder betreiben Naturfreundehäuser, andere konzentrieren sich auf politische Arbeit, wobei auch hier die Themen variieren – von Natur- und Umweltschutz bis hin zum Einsatz für Frieden und Menschenrechte. Wo liegen deine persönlichen Prioritäten?
In den letzten Jahren wurde mir immer bewusster, wie wichtig und aktuell das Naturfreundelogo mit den beiden verschiedenfarbigen Händen, die sich zu einem festen Händedruck begegnen, ist. Die anderen Menschen sind anders, aber in der Begegnung liegt die Lösung, im sich gegenseitig Respektieren, Anerkennen und Unterstützen. Respekt der Umwelt gegenüber, aber auch eine respektvolle Begegnung mit den Mitmenschen, das sind die Grundwerte der NFI, denen ich mich verbunden und verpflichtet fühle. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Bergwelt und um Europa, sondern um die ganze Welt – auch das Meer ist frei!

Meine persönlichen Prioritäten liegen eindeutig in der respektvollen Begegnung. Diese kann natürlich auf Reisen, in Seminaren und ähnlichem stattfinden, sie wird jedoch gerade in den Naturfreundehäusern, in denen sich auch Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Interessen begegnen, auf die Probe gestellt. Dieser Respekt im Kleinen, im Mikrokosmos Naturfreundehaus, findet seinen Spiegel im Großen, im Makrokosmos Globus. Wir leben in einer globalen Welt. Dass diese nicht von multinationalen Konzernen, sondern von Austausch, Kooperation und gegenseitiger Unterstützung geprägt ist, liegt auch an uns und besonders an einer Organisation, die sowohl auf lokaler und nationaler als auch internationaler Ebene arbeitet.

COVID-19 hat die Naturfreundearbeit im vergangenen Jahr stark eingeschränkt. Aktivitäten in der Natur waren oft nur noch allein oder im Familienkreis erlaubt, die Naturfreundehäuser mussten geschlossen, gemeinsame Reisen abgesagt werden, Treffen waren vielfach nur noch auf virtueller Ebene möglich. Die Zukunft ist ungewiss, klar ist jedoch, dass uns die Pandemie noch lange begleiten wird. Welche Rolle siehst du für NGOs wie die Naturfreunde in der derzeitigen Situation?
Gerade in der aktuellen Situation ist es wichtig, so oft wie möglich Momente zwischenmenschlicher Begegnung zu schaffen und alle Nischen zu nutzen, um diese zu ermöglichen. Aktivitäten im Freien sind in vielen Ländern erlaubt, wir haben gelernt, mit Maske, Abstand und Hygienemaßnahmen umzugehen. Wo auch immer wir eine Gelegenheit der zwischenmenschlichen Begegnung sehen, sollten wir sie ergreifen, auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Wir haben gelernt, auf virtuelle Art miteinander zu kommunizieren und in vielen Fällen hat dies sogar zu einer Intensivierung des Kontaktes geführt. Wir dürfen uns jedoch nicht täuschen lassen: Diese Art der Kommunikation führt die Menschen in eine zunehmende Isolation.

Mit mehr als 350.000 Mitgliedern ist das internationale Naturfreunde-Netzwerk eine der größten NGOs weltweit. Was uns verbindet, sind unsere gemeinsamen Werte wie Solidarität und globale Gerechtigkeit, die wir mit internationalen Aktivitäten, wie der Landschaft des Jahres oder dem Naturfreunde-KlimaFonds, mit Leben füllen. Dennoch ist es für uns oft schwierig, die einzelnen Mitglieder zu erreichen und zur Teilnahme an internationalen Aktivitäten zu motivieren. Hast du Ideen, wie es gelingen könnte, die Mitglieder stärker einzubeziehen?
Ein Punkt ist bestimmt die direkte Information: Jedes Mitglied sollte auch auf lokaler Ebene über die Aktivitäten der NFI informiert sein. Gerade da hat uns die aktuelle sanitäre Krise ein Stück weitergebracht, die sozialen Medien werden stärker verfolgt und ein direkter Kontakt zu den einzelnen Mitgliedern ist einfacher. Da wir jedoch eine Bewegung sind, die auf Ortsgruppen basiert und es darum geht, diese zu sensibilisieren, sollten wir versuchen, die Ortsgruppen einzuladen, über ihr Haus, ihren Ort hinaus zu schauen und sich als Teil einer großen Bewegung zu empfinden. Ein erster Schritt könnten Partnerschaften zwischen Ortsgruppen verschiedener Länder sein; gegenseitige Besuche, gemeinsame Aktionen führen zu persönlichen Kontakten, schaffen ein Bewusstsein dafür, zur selben „Familie“ zu gehören und sich daher auch für die Belange dieser Familie zu interessieren.

(Jänner 2021)

 

Moussa Traoré | Präsident der Naturfreunde Mali

Moussa Traoré

Vor wenigen Wochen wurde in der Dörfergemeinschaft Finkolo im Süden von Mali der Bau einer Lagerhalle für landwirtschaftliche Produkte feierlich abgeschlossen. Die neue Lagerhalle, die aus Spendengeldern des Naturfreunde KlimaFonds finanziert wurde, ermöglicht eine hygienische Lagerung der landwirtschaftlichen Produkte. Moussa Traoré, Präsident der Naturfreunde Mali, erzählt im Interview, wieso die Lagerhalle so dringend benötigt wurde, wie die Bevölkerung in Finkolo auf das Projekt reagiert hat und wie auch mit vergleichsweise kleinen Projekten viel erreicht werden kann.

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Die Naturfreunde Mali sind seit vielen Jahren in Finkolo aktiv und unterstützen die regionale Landwirtschaft, die sich auf den Anbau von Gemüse spezialisiert hat. Wieso wurde nun eine Lagerhalle benötigt?
Moussa Traoré: Durch den Klimawandel nehmen die Dürreperioden zu. Es gibt keine regelmäßige Regenzeit mehr, manchmal kommt es zu einem kompletten Ernteausfall. In der neuen Lagerhalle können die landwirtschaftlichen Produkte auch über einen längeren Zeitraum gelagert werden – so können die Menschen Dürreperioden besser überdauern und ihre landwirtschaftlichen Produkte besser und mit weniger Verlusten vermarkten.

Das Projekt in Finkolo konnte dank zahlreicher Spenden von europäischen Naturfreundinnen und Naturfreunden sehr rasch umgesetzt werden. Was bedeutet das Projekt für die Menschen in Finkolo? Wie waren die Reaktionen aus der Bevölkerung?
Ich nehme dieses Interview zum Anlass, um den Spendern und Spenderinnen, den europäischen Naturfreundinnen und Naturfreunden zu danken. Es war zu Beginn nicht abzusehen, ob, angesichts der Sicherheitslage in Mali der Bau dieser Lagerhalle finanziert werden würde. Danke für euer Vertrauen!
Und nun zu eurer Frage: Für die Menschen in Finkolo bedeutet das Projekt Hilfe, Unterstützung und einen Beitrag auf dem Weg zu nachhaltiger Entwicklung. Die Verwirklichung dieses Projekts hat bei der Bevölkerung Freude, Zufriedenheit und große Einsatzbereitschaft geweckt. Die Menschen sind sich sicher, dass die landwirtschaftlichen Produkte nun besser gegen die negativen Auswirkungen der Klimaerwärmung geschützt werden. Sie werden noch motivierter im Gemüseanbau, ihrer Haupteinnahmequelle, arbeiten. Ich kann euch versprechen, dass sich die Auswirkungen dieser verschiedenen Projekte positiv auf die landwirtschaftliche Produktivität dieser engagierten Frauen auswirken werden!
Ich danke allen Naturfreundinnen und Naturfreunden für ihre Spenden zu Gunsten einer Bevölkerung, die sie so notwendig braucht. Diese Spenden sind eine starke Hilfe für die Empfänger, motivieren sie und geben ihnen viel Hoffnung.

In Europa wissen die meisten Menschen nicht viel über das Leben in Mali. Wie gestaltet sich die Arbeit für eine Organisation wie die Naturfreunde in deinem Land? Was sind eure Prioritäten?
Unsere Organisation 2ADIB-MALI/AMIS DE LA NATURE ist ein Verein, dessen Arbeit durch die Statuten und Geschäftsordnungen geregelt ist. Der Vorstand, der von der Generalversammlung als dem obersten Organ des Vereins bestimmt wird, legt die Prioritäten der Arbeit bei mehreren Sitzungen pro Jahr fest.
Wir arbeiten auf humanitärem Gebiet, im Natur- und Umweltschutz, überall dort, wo in Mali die Sicherheit garantiert ist. Unsere Arbeitsschwerpunkte betreffen:
•    Natur- und Umweltschutz
•    Engagement für nachhaltige Entwicklung
•    Armutsbekämpfung
•    Einsatz für Grundschuldbesuch für alle
•    Veranstaltung von Arbeitseinsätzen für Freiwillige aus aller Welt zur Förderung des Ökotourismus.

Du bist schon sehr lange als Präsident der Naturfreunde Mali aktiv. Was motiviert dich besonders für deine Tätigkeit?
Drei Anliegen motivieren mich für meine Tätigkeit als Hauptakteur der Naturfreunde Mali:
1.    gegen Armut anzukämpfen
2.    den Klimawandel als Bedrohung unserer Gesellschaft zu bekämpfen
3.    durch Unterstützung denjenigen, die es brauchen, wieder Freude zu geben
Ganz allgemein möchte ich dort, wo es notwendig ist, mich in den Dienst der Gesellschaft stellen! Mein Großvater pflegte des nachts am Feuer zu sagen: „Mein Kleiner: achte immer gut auf dich, leiste deinen Betrag, wo immer er notwendig ist, genieße dieses schöne Leben, denn es ist kurz, und versuche, keinen sinnlosen Tod zu sterben."

(Mai 2020)

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Kostas Foteinakis |  Präsident der Naturfreunde Griechenland

©Kostas Foteinakis/Naturefriends Greece

Kostas Foteinakis hat die Naturfreunde Griechenland mitbegründet und ist seit 2012 ihr Präsident. Im Interview gibt er Einblicke in die Arbeit der Naturfreunde Griechenland und wie diese mit der schwierigen wirtschaftlichen Lage im Land umgehen.

 

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Wie lange bist du schon Mitglied bei den Naturfreunden, und welche Rolle spielen sie für dich?
Ich bin eines der Gründungsmitglieder der Naturfreunde Griechenland, also seit 2007. Ein Jahr später, 2008, wurden die Naturfreunde Griechenland Vollmitglied der NFI. Zu dieser Zeit war ich Vorsitzender eines örtlichen Umweltclubs, und wir wollten Kontakt mit einer europäischen oder internationalen Umweltorganisation aufnehmen und mit ihr zusammenarbeiten, weil wir davon überzeugt sind, dass die großen Umwelt- und Sozialfragen wie der Klimawandel, die Menschenrechte, das Recht auf Arbeit und Bildung, Demokratie, nachhaltige und gerechte Entwicklung, der Erhalt des Weltkulturerbes und der Artenvielfalt nicht nur auf lokaler oder nationaler Ebene, sondern parallel auf europäischer und internationaler Ebene angegangen werden müssen. Im Jahr 2007 haben wir nach Umweltorganisationen gesucht, die sich sowohl sozial als auch politisch engagieren, und wir sind auf die NFI gestoßen. 2007 wurde die Gründung der Naturfreunde Griechenland initiiert. Ich war als Gründungsmitglied dabei und seit 2008 bin ich Vorstandsmitglied und seit 2012 Vorsitzender.

Die Gründe, warum ich mich bei den Naturfreunden engagiere, sind dieselben wie schon 2007, und weitere sind dazu gekommen: das Migrationsthema, das Erstarken der extremen Rechten u.ä.m.

Griechenland ist eine der kleineren Mitgliedsorganisationen, aber sehr aktiv, insbesondere in den Sozialen Medien. Wie wichtig ist das internationale Netzwerk für eure Arbeit und wie können wir uns auch online stärker vernetzen?
Die Zusammenarbeit mit der NFI und die Möglichkeit der Nutzung der Positionen, Vorschläge usw. der Organisation sind für uns besonders hilfreich. Viele der NFI-Ankündigungen, Resolutionen und Pressemitteilungen werden in unsere Sprache übersetzt. Zwei aktuelle Beispiele sind: a) die PA „Menschenrechte - auch im Tourismus!“ und b) die Resolution der letzten NFI-Konferenz "Klimawandel ist die reale Bedrohung, nicht Migration!“.
Wir haben auch das jüngste Manifest der Green 10 zu den Europawahlen und die Berliner Erklärung "Transforming Tourism" übersetzt. Wir glauben, dass die Menschen in Griechenland ohne die Zusammenarbeit zwischen NFI und Naturfreunde Griechenland nichts davon erfahren hätten. Wichtige „Tools“ für unsere Aktivitäten und für die Meinungsbildung spielen meiner Meinung nach diese Texte der NFI: a) Das Manifest für ein neues Europa, das auch heute noch aktuell ist, und b) „The Climate Chapter“; diese beiden Dokumente sind auf Griechisch übersetzt worden.
Gleichzeitig arbeiten die Naturfreunde Griechenland mit anderen Organisationen und europäischen Netzwerken zusammen. Eines davon ist das Seattle to Brussels Network / S2B zu Fragen der Handelsabkommen der Europäischen Union mit anderen Ländern oder zur Zusammenarbeit von Ländern, wie beispielsweise das Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada, CETA.

Griechenland hat schwierige Jahre hinter sich, die wirtschaftliche Situation ist angespannt, es gab massive Finanzkürzungen. Was sind die Konsequenzen für eine Organisation wie die Naturfreunde? Wie habt ihr diese Hindernisse überwunden?
Es ist eine Tatsache, dass die wirtschaftlichen Einschnitte und harten Maßnahmen teilweise auch unsere Organisation getroffen haben. Was in jeder Gruppe und Organisation eine Rolle gespielt hat und immer noch spielt - und nicht nur für die Naturfreunde Griechenland - ist die Unsicherheit über die Zukunft sowie andere Dinge, die die Gesellschaft betreffen, wie die Arbeitslosigkeit (sie ist gottseidank von 27% auf 19% gesunken), Schulden bei Banken, die Flüchtlingskrise, die Sicherheit von Renten usw.

Doch auch in Zeiten einer schweren politischen und sozialen Krise ist das Interesse der griechischen BürgerInnen an der Umwelt eines der höchsten in der EU. Dennoch gibt es eine Differenz zwischen dem Interesse und dem Handeln.
Die Naturfreunde Griechenland haben unter diesen politischen und sozialen Umständen zunächst die Beiträge für Mitglieder, die arbeitslos oder geringfügig beschäftigt waren, um 80% gesenkt. Gleichzeitig haben wir Solidaritätsaktionen gestartet, nicht nur für unsere Mitglieder, sondern auch für andere Bedürftige. Das ungünstige Klima hat die Naturfreunde Griechenland beeinflusst, aber nicht gestoppt - wir, die Führungsgruppe, sind uns unserer Verantwortung bewusst, was sich auch in unserem Handeln widerspiegelt.

Die Naturfreunde Griechenland konzentrieren sich insbesondere auf die politische Arbeit. In welchen Bereiche seid ihr am aktivsten und warum sind sie für dich als Naturfreund wichtig?
Die NF Griechenland haben für das Programm 2018–2022 unter dem Titel "Die Zukunft gehört denen, die sie heute vorbereiten" gestimmt. Dies ist ein bekannter Satz des afroamerikanischen Aktivisten für politische Rechte, Malcolm X. (die Zusammenfassung ist auf Englisch verfügbar http://joom.ag/LF4Y).

Wir engagieren uns in diesen Bereichen:

  1. Wir nehmen an einer öffentlichen Konsultation zu Gesetzentwürfen im Umweltbereich teil und auch zu anderen Themen wie Tourismus, nachhaltige Entwicklung usw. Unsere Freiwilligen erarbeiten Vorschläge. Die jüngste Intervention betrifft die Energieplanung und den Klimawandel. Diese Aktion ist für die Gesellschaft nicht besonders sichtbar und den NF-Mitgliedern in Europa und der ganzen Welt scheinbar unbekannt. Diese Interventionen haben nicht nur rechtlicher und technischer Art, sondern haben auch einen sozialen Anspruch.
  2. Die NF Griechenland sind die stärkste Kraft in der STOP-TTIP-CETA-TiSA-Bewegung und auch der Social-Media-Administrator für diese Bewegung (Blogs, Facebook etc.).
  3. Wir sind als Mitglieder der Zivilgesellschaft in den Sonderausschüssen des Parlaments für Umwelt und Handel vertreten.
  4. Wir unterstützen den Kampf gegen den Goldbergbau auf den Chalkidiki und den Abbau von Kohlenwaserstoffen in ganz Griechenland.
  5. Während der „World Days“ zeigen wir unsere Positionen durch Aktivitäten, die wir organisieren - wir betrachten sie nicht als Allheilmittel, sondern nutzen diese Gelegenheit, um unsere Positionen zu artikulieren. Normalerweise organisieren wir Besuche von Parks und Naturräumen.
  6. Wir setzen auf die 17 SDGs, obwohl viele Menschen in unserem Land sie für eine "Wunschliste" halten. Wir fördern und fordern sie ein.
  7. Unsere große Schwäche ist a) die geringe Anzahl der Mitglieder und damit der Mangel an finanziellen Mitteln, b) der Mangel an jungen Mitgliedern, etc.
  8. Unsere großen Stärken sind unsere Mitglieder, Freiwillige und Partner.

Ich möchte noch darauf hinweisen, dass die NF Griechenland - neben anderen Aktionen - zwei Programme durchführen: a) das Programm „Weniger Abfall - Besseres Leben“ (denn das größte und komplexeste Problem in unserem Land ist die Reduzierung und umweltfreundliche Behandlung von Abfällen) und b) das Programm "Go to West - We Discover West Athens", das Führungen in einem heruntergekommen Stadtteil mit bedeutenden historischen Pfaden, einen Workshop über nachhaltige Entwicklung und einen Stadtführer umfasst. Diese Themen werden wir auch in einem Newsletter behandeln, der sich speziell an NF-Mitglieder auf der ganzen Welt richtet.

Abschließend möchte ich die NFI informieren, dass es uns gelungen ist, den Status wiederherzustellen, den wir zwischen 2010 und 2012 verloren haben, und dass wir methodisch und ohne Druck weiterhin für den Naturschutz, den Erhalt der biologischen Vielfalt und des kulturellen Erbes kämpfen werden, indem wir in Netzwerken von BürgerInnen und Institutionen in Griechenland, Europa und der ganzen Welt aktiv sind.

Naturfreunde Griechenland

(Januar 2019)

Simon Neal | Vorsitzender Friends of Nature UK (Naturfreunde Großbritannien) Simon Neal

Hallo zusammen und Grüße aus Scottish Borders! Ich habe Geowissenschaften studiert und die letzten 20 Jahre im Bereich Tourismus und Nachhaltigkeit gearbeitet. Ich wandere und reise gerne, liebe die Natur und interessiere mich dafür, wie wir leben können, ohne unserem Planeten zu schaden. Ich engagiere mich seit etwa 15 Jahren bei den Naturfreunden, zunächst als Umweltreferent und seit neun Jahren als Vorsitzender.

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Simon, du hast eine führende Rolle bei der Entwicklung der Naturfreunde UK gespielt – was war denn deine Motivation?
Ein starker Glaube daran, dass die Naturfreunde eine einzigartige Organisation sind, was das Engagement von Freiwilligen, das Netzwerk der Häuser und das Engagement für die Umwelt betrifft. Ohne pathetisch sein zu wollen, glaube ich, dass unsere Bewegung eine Art Strategie oder Rahmen für den Alltag bietet. Wir alle können versuchen, die Welt durch unser tägliches Handeln und unsere täglichen Entscheidungen zu einem besseren Ort zu machen, sei es als Einzelne/r oder als Gruppe.

Die Naturfreunde Großbritannien ist eine kleine, aber sehr aktive Organisation; ihr habt 4 Kerngruppen, 8 Hütten, Mitglieder in allen Landesteilen – und das alles wird nur mit Freiwilligen auf die Beine gestellt. Wie schafft ihr es, den Zusammenhalt in eurer Organisation zu stärken?
Es ist eine Herausforderung! Im europäischen Vergleich sind wir eine kleine Gruppe, wir haben aber das Glück, einen begeisterten Kern von Mitgliedern zu haben. Unser Haus in Kirk Yetholm etwa wird von einer engagierten Gruppe von Freiwilligen betrieben, in Norwich gibt es schon seit Langem eine Gruppe von etwa 80 Mitgliedern, die sich regelmäßig zu Spaziergängen und Veranstaltungen trifft. Wir versuchen, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit aufrechtzuerhalten, neue Mitglieder über das Internet und Social Media zu gewinnen und zu binden.

Was sind eure Ziele und Aktivitäten? Und was bedeutet es für euch, Teil der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu sein?
Unsere übergeordneten Ziele sind es, die Menschen zu befähigen und zu inspirieren, die Natur zu erkunden, die Natur zu schätzen und ein Gefühl der „Verantwortung“ für ihr Leben und für unseren Planeten zu entwickeln. Dies erreichen wir, wenn auch nur in unserem beschränkten Wirkungskreis, indem wir Orte schaffen, wo man sich aufhalten und treffen kann (nämlich unsere Häuser) und indem wir Ideen mit anderen Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen und Kulturen austauschen. Nachhaltigkeit ist das neue Schlagwort ... wir leben sie schon seit Jahren! Als Mitglied der Naturfreunde Internationale haben wir die Möglichkeit, Menschen aus anderen Kulturen zu treffen und andere Standpunkte und Sichtweisen kennen zu lernen. Letztendlich haben wir so viel gemeinsam ...

Was werden denn die größten Herausforderungen in den nächsten 10 Jahren sein – für die Naturfreunde UK und für die internationale Naturfreunde-Bewegung?
Die Naturfreunde und das, wofür wir stehen, bekannt zu machen und zu verbreiten, ist vielleicht unsere größte Herausforderung – nicht nur, um Mitglieder zu binden, sondern auch, um aktiv Kontakt aufzunehmen und anderen zu vermitteln, was wir tun. Ich bin fest davon überzeugt, dass Mundpropaganda die beste Form der Werbung ist. Wenn wir selbst von den Werten der Naturfreunde begeistert sind, zeigen, was wir zu bieten haben und andere ermutigen, sich uns anzuschließen, werden wir erfolgreich sein. Die NFI muss die internationale Plattform bieten, um die einzelnen Organisationen zu präsentieren, die Naturfreunde einem neuen Publikum bekannt zu machen und den notwendigen „Klebstoff“ zu liefern, um alles zusammenzuhalten.

Im Namen von Friends of Nature UK wünsche ich allen naturfreundliche Weihnachten und ein gesundes, glückliches und friedliches Jahr 2019!

(Dezember 2018)

Hynek Pečinka | Präsident von Přátelé přírody z. s. (Naturfreunde Tschechien) Hynek Pecinka

Hynek Pečinka, Präsident von Přátelé přírody z. s. (Naturfreunde Tschechien), spricht im Interview über seine Teilnahme am „Naturefriends Sports for All“-Projekt und die vielen neuen Ideen, die mit den Mitgliedern geteilt werden sollen. Er freut sich auf die nächsten internationalen Begegnungen mit anderen Naturfreunde-Gruppen.

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Du bist schon seit vielen Jahren für die Naturfreunde Tschechien aktiv. Wie bist du zu den Naturfreunden gekommen und was hat dich bewogen, dich all die Jahre zu engagieren? Was waren bisher deine beeindruckendsten Momente bei Přátelé přírody z. s.?
Meine Karriere in „grünen Bewegungen“ begann ich bereits 1990 als Pfadfinder und schloss mich später jungen Umweltschützern an. 1995 wurde ich Mitglied der Organisation Duha, die damals die Jugendorganisation der Naturfreunde Tschechien war. Ich habe in der Ortsgruppe in Olmütz in der Jugendarbeit begonnen und bin schließlich Vizepräsident der gesamten Landesorganisation geworden. Im Jahr 2010 hatte ich das Gefühl, dass ich eine Pause oder einen Wechsel von der Jugendarbeit brauche, und deshalb gründete ich zusammen mit mehreren Personen eine lokale Gruppe in Olmütz, die „erwachsenen Naturfreunde“, und begann, Outdoor- und Kulturaktivitäten für Erwachsene zu organisieren. Heute hat die lokale Gruppe 70 Mitglieder und führt mehr als 60 Veranstaltungen pro Jahr durch. Seit 2010 bin ich auch im Vorstand der tschechischen Naturfreunde aktiv und versuche unsere Mitglieder zu motivieren, die Dinge voranzutreiben, zu kooperieren und auf lokaler und nationaler Ebene sichtbarer zu werden.

Ich kann mich an mehrere Dinge erinnern, die zeigen, dass meine Bemühungen Früchte tragen. Im Jahr 2012 begannen wir, einmal im Jahr ein 4-tägiges nationales Treffen zu organisieren – und  diesen Oktober trafen sich die Menschen zum siebten Mal; es freut mich, ihre Freunde aus anderen lokalen Gruppen und auch einige neue Gesichter zu sehen. Auch der bundesweite „Tag der Naturfreunde“ findet bereits seit mehreren Jahren statt und macht uns in den Gemeinden sichtbar, in denen unsere lokalen Gruppen arbeiten. Aber was mich am meisten beeindruckt hat, war die Busfahrt zur Auftaktveranstaltung der Landschaft des Jahres Oberrhein, bei der wir die Grenzregion der drei in der Kampagne eingebundenen Länder – Deutschland, Schweiz und Frankreich – kennen lernen durften. Mehr als 50 tschechische NaturfreundInnen haben daran teilgenommen und verbrachten über eine Woche zusammen, viele der Freundschaften halten bis heute – und ihr wisst, dass die persönliche Einstellung jede Struktur und auch unsere Bewegung stärker macht.

Was mich bewegt, meine Zeit in diese Dinge zu investieren? Es ist einfach mein Lebensstil, ich mag Menschen und ich mag es, sinnvolle Dinge für sie und mit ihnen zu tun. Und ich denke auch, dass jede/r etwas Gutes für die anderen zurücklassen und das zurückgeben sollte, was er/sie einmal erhalten hat.
 
Přátelé přírody z. s. ist einer der kleinen Mitgliedsverbände der NFI. Was bedeutet es für euch, Teil der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu sein? Wie bringt ihr euch ins internationale Netzwerk der NFI ein – und wie profitiert ihr davon?
Ein Teil einer internationalen Struktur zu sein, bedeutet viele Möglichkeiten für jede/n, der/die die Welt um sich herum von einer anderen „Flughöhe“ aus sehen möchte. Die Tatsache, dass die tschechischen Naturfreunde Teil einer größeren Familie von Gleichgesinnten sind, öffnet uns ein Tor zur Zusammenarbeit: Reisen, Begegnungen mit interessanten Menschen, Mitwirkung an Entscheidungen, die auch uns betreffen, und Austausch von Erfahrungen und Wissen. Einfach gesagt bedeutet es, international zusammenzuarbeiten und voneinander in Bezug auf die jeweiligen Besonderheiten zu lernen.

Unser Motto lautet: „Wir sind von Natur, Geschichte und Kultur begeistert. Wir mögen es, die Welt um uns herum zu gestalten.“ Und die Zugehörigkeit zur Naturfreunde-Bewegung hilft uns, neue Impulse zu erhalten und auch unser Know-how in diesen Handlungsfeldern zu teilen.

Ihr nehmt dieses Jahr am Erasmus+ Projekt „Naturefriends Sports for all“ teil. Die Verbände sollen damit Tools in die Hand bekommen, mit denen sie Natursportangebote für Menschen mit Behinderungen entwickeln können. Im Frühjahr und im Herbst gab es Workshops zu den Themen barrierefrei Wandern und Klettern. Was nehmt ihr mit zurück zu Přátelé přírody z. s.? Welche Angebote möchtet ihr entwickeln?
Die meisten unserer lokalen Gruppen sind im Outdoor-Sport wie Wandern oder Skifahren aktiv, einige von ihnen haben bereits erlebt, dass eine Person mit Behinderungen an einer Outdoor-Veranstaltung teilnimmt, aber für einige von ihnen ist es ein neues Thema. Deshalb haben wir die Idee des Projekts „Sports For All“ begrüßt, unsere TeilnehmerInnen zu den Workshops geschickt und das Projekt in unseren lokalen Gruppen beworben. Wir möchten die gewonnenen Erkenntnisse in einem einwöchigen Workshop im kommenden Jahr weitergeben, damit unsere OrganisatorInnen offener für gemeinsame Aktivitäten für Menschen mit und ohne Behinderungen sein können und selbstbewusster und besser auf alle Eventualitäten vorbereitet sind, die bei der Organisation solcher Veranstaltungen auftreten können. Soweit ich weiß, gibt es in Tschechien nicht so viele NaturfreundInnen, die klettern. Deshalb werden wir uns in unserem Workshop auf das Wandern konzentrieren.

Im Oktober fand die Jahreskonferenz der Naturfreunde Internationale in Wien statt, bei der viele Ideen für zukünftige Aktivitäten diskutiert wurden, wie zum Beispiel der „Global Naturefriends Day 2020“ oder die Fortsetzung des Erasmus+ Projekt diskutiert wurden. Welche Aktionen wären für euch besonders attraktiv?
Ich persönlich begrüße alle Aktionen, die die Naturfreunde Internationale nicht zu einer Plattform von Chefs der nationalen Verbände machen, sondern Möglichkeiten direkt für die Mitglieder bieten. So ist beispielsweise die Information, dass man an einem Workshop mit NaturfreundInnen aus anderen Ländern teilnehmen kann - und nicht als Delegierter an einer Konferenz - für die einzelnen Mitglieder wahrnehmbar – und damit kann man auch besser argumentieren, wenn man gefragt wird, wofür die NFI gut ist.  Ich würde daher Projekte bevorzugen, die sich auf grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Erfahrungsaustausch oder gemeinsame Kampagnen mit konkreter Wirkung konzentrieren, wie den weltweiten Naturfreunde-Tag. Dies ist wertvoller als Tonnen von Positionspapieren und Erklärungen.

(November 2018)


Přátelé přírody z. s.
 

 

Sékou Kader NANAMOU | Präsident der Naturfreunde Guinea  (ALUSFADE-GUINEE)Sekou Kader Nanamou 
 

Sékou Kader NANAMOU ist der Präsident der Naturfreunde Guinea, die im Oktober mit der Umsetzung des aktuellen Projekts des Naturfreunde-Klimafonds begonnen haben. Im Interview spricht er über dieses Projekt und über die Arbeit der Naturfreunde in Guinea. 

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Die Naturfreunde Guinea haben gerade mit der Umsetzung des aktuellen Projektes des Naturfreunde-Klimafonds im Biosphärenreservat der Nimba Berge begonnen. Was soll mit diesem Projekt erreicht werden? 
Das Projekt soll in der Bevölkerung Guineas, aber insbesondere bei den Menschen, die in den Nimba Bergen leben, Bewusstsein für den Klimaschutz schaffen. Wir informieren und zeigen den Menschen, wie verbesserte Kochstellen funktionieren – so werden sie sehen, dass sie damit einen Beitrag gegen die Rodung der Wälder und gegen die globale Erwärmung leisten können.  
Weiters soll das Projekt lokale Behörden, und letztlich auch die Regierung, dazu ermutigen, Maßnahmen zur Minderung der Auswirkungen des Klimawandels zu ergreifen bzw. zu verstärken. Und es ist durchaus möglich, dass Partnerschaften geschlossen werden, um Synergien von Aktionen und Maßnahmen in anderen Teilen des Landes zu erzielen.  
 
Was unterscheiden denn die neuen Kochstellen von den traditionellen? 
Die Unterschiede sind enorm! Im Gegensatz zu den herkömmlichen Kochstellen verbrauchen die verbesserten weniger Holz, sie werden schneller heiß, sie halten die Wärme länger, sie helfen Zeit zu sparen, weil sich die Kochzeit verkürzt, sie sind wirtschaftlicher, sie tragen zum Umweltschutz bei (weniger Abholzung, weniger negative Auswirkungen auf das Klima), sie schützen die Gesundheit der Menschen, weil sie weniger Rauch emittieren.  
 
Du bist seit 2. August 2006 Präsident der Naturfreunde Guinea. Was hat dich dazu bewogen, dich für diese Funktion zu bewerben? 
Ganz einfach: Als Guineer bin ich mir bewusst, dass die socio-ökonomische Entwicklung nicht nur Sache der Regierung ist. Daher haben wir ALUSFADE-GUINEE gegründet, eine Nicht-Regierungsorganisation. Da ich eine Universitätsausbildung und Know-how im Management habe, habe ich mich als Präsident dieser NGO beworben, um zur nachhaltigen Entwicklung Guineas – und warum nicht auch des afrikanischen Kontinents – beizutragen.  
 
ONG ALUSFADE-GUINEE ist für den Klimaschutz sehr aktiv. Was sind darüber hinaus eure Schwerpunkte? Und was bedeutet es für euch, Teil der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu sein? 
Neben dem Umweltschutz, wo wir zahlreiche Projekte zum Klimaschutz durchführen, sind wir in vielen anderen Themenbereichen aktiv, das betrifft etwa die Landwirtschaft, die Viehzucht, die Alphabetisierung, die Gesundheit (insbesondere die sexuell übertragbaren Krankheiten und HIV/Aids betreffend), die Politik und die Menschenrechte. 
Teil der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu sein, bedeutet für mich einen Gewinn im Hinblick auf den Austausch von Erfahrungen, die finanziellen Möglichkeiten, die Effizienz, die Führung, letztendlich für den Erfolg unseres Kampfes für eine gesunde Umwelt für die Menschen.

 
(Oktober 2018) 

 

Hannu Puhalainen | Präsident der Naturfreunde Finnland Hannu Puhalainen
 
Hannu Puhalainen, 66 Jahre alt und wohnhaft in Rovaniemi, ist der Präsident der Naturfreunde Finnland und auch Vorsitzender der Naturfreunde-Gruppe Rovaniemi. Hannus Heimat ist das Finnische Lappland und daher sind die Natur und das Wandern elementare Bestandteile seines Lebens. Im Interview spricht Hannu über seine persönliche Motivation für sein Engagement in der Naturfreunde-Bewegung und über seine Pläne für die Zukunft.

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Tyovaen retkeilyliitto, die Naturfreunde Finnland, wurde 1971 als nationale Sportvereinigung gegründet. Was sind heute eure Ziele und Hauptaktivitäten?
Unser Ziel ist es, unsere Organisation zu stärken, indem wir verschiedenste Aktivitäten organisieren und so das Interesse der Menschen für das Wandern und die Naturschätze wecken – damit sie selbst aktiv werden. Wir möchten auch die Zahl unserer Ortsgruppen erhöhen, sodass wir überall in Finnland präsent sind. 
Wir koordinieren und unterstützen die Aktivitäten unserer Ortsgruppen. Wir unterhalten eigene Hütten, die wir hauptsächlich an unsere Mitglieder vermieten. Wir geben ein Magazin heraus, das ein wichtiges Bindeglied zwischen unseren Mitgliedern ist und die Zusammenarbeit unter den Verbänden fördert.
 
Was ist deine persönliche Motivation, dich für die Naturfreunde zu engagieren?
Meine Hauptmotivationen sind, Menschen zu treffen, die dieselben Werte teilen, in der Natur zu sein und sie zu genießen, zu fischen, Beeren zu pflücken, mit Kaffee und Würsten am Lagerfeuer zu sitzen ... Ich mag es auch, anderen Menschen die Natur näher zu bringen.
 
Tyovaen retkeilyliitto ist eine kleine, aber sehr aktive Organisation, mit rund 1.700 Mitgliedern. Was bedeutet es für dich, Mitglied der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu sein?
Als Mitglied der Naturfreunde Internationale sind wir über Ereignisse und aktuelle Trends in Europa informiert. Aktuell bringen uns die Naturfreunde die Natur und Umwelt Afrikas näher. Wir hoffen, dass gerade durch die Internationalität jüngere Menschen angesprochen werden, bei unseren Aktivitäten mitzumachen. Bislang konnten wir diese Chancen in unseren Aktivitäten nicht voll ausschöpfen.
 
Was sind die größten Herausforderungen in den nächsten 10 Jahren – für die Naturfreunde Finnland und die internationale Naturfreunde-Bewegung?
Für uns in Finnland ist die größte Herausforderung, junge und aktive Menschen für unsere Organisation zu begeistern, und unsere Mitgliederzahl zumindest zu halten.
Ich denke, dass die internationale Naturfreunde-Bewegung die Balance finden muss zwischen der lokalen und globalen Dimension. Die geteilten, gemeinsamen Aktivitäten sollten für ein breites Publikum interessant sein, gleichzeitig sollen auch die Landesorganisationen die Vorteile einer globalen Zusammenarbeit sehen. Dazu könnten die Kommunikation und Interaktion in gemeinsamen Projekten beitragen.

Tyovaen retkeilyliitto
 
(September 2018; die deutsche Version dieses Textes basiert auf der englischen Übersetzung des finnischen Interviews von Hannele Pöllä, Koordinatorin für internationale Beziehungen bei den Naturfreunden Finnland)

 

 

 

Maritta Strasser | Bundesgeschäftsführerin der NaturFreunde Deutschlands  Maritta Strasser, NaturFreunde Deutschlands

Seit 1. Juli 2018 ist Maritta Strasser die neue Bundesgeschäftsführerin der NaturFreunde Deutschlands. Sie folgt Hans-Gerd Marian, der sich nach seiner langjährigen Tätigkeit für die NaturFreunde Deutschlands in den Ruhestand zurückzieht. Im Interview erzählt Maritta von ihren Vorstellungen und Plänen.

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Mit über 70.000 Mitgliedern sind die NaturFreunde Deutschlands der zweitgrößte Mitgliedsverband der Naturfreunde Internationale. Wo siehst du Eure Stärken und Eure Prioritäten für die zukünftige Arbeit?
Bei den NaturFreunden Deutschlands gibt es so viel Aktivität: Sportausbildungen, Reisen, eigene Häuser, Naturschutzprojekte, Kulturangebote … Die NaturFreunde leisten enorm viel, und das allermeiste davon ehrenamtlich. Davor habe ich großen Respekt.   Aber das spricht sich zu wenig herum. Wir sollten selbstbewusster werden. Wir haben viel zu bieten! Wir sollten die vielen Menschen, die bei uns Sport treiben oder zu Gast sind, noch viel konsequenter einladen, auch bei uns Mitglied zu werden.

Wo siehst du persönlich die größten Herausforderungen?
Ich möchte die NaturFreunde auf einen Mitglieder-Wachstumskurs bringen, damit wir auf Dauer eine Zukunft haben. Deshalb will ich mehr für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit tun. Ich möchte auch für einen Kulturwandel innerhalb des Verbandes werben. Ich möchte, dass wir offener werden, einladender – und ganz besonders junge Menschen ansprechen. Die Zusammenarbeit mit der Naturfreundejugend ist mir deshalb sehr wichtig.

Die NaturFreunde Deutschlands bezeichnen sich als „politischer Freizeitverband“. Was genau ist darunter zu verstehen? Und welchen Stellenwert hat für Euch die politische Arbeit – auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene?
Wir sind quasi das Lagerfeuer, an dem sich die Menschen versammeln, die der Überzeugung sind, dass in diesem Land etwas ganz grundsätzlich falsch läuft: Die Natur wird immer rücksichtsloser ausgebeutet, um Reichtümer anzuhäufen, von denen immer weniger Menschen profitieren. Als Einzelne sind wir machtlos, nur gemeinsam können wir etwas ändern. Weil nicht nur die Natur, sondern auch der Mensch Erholung braucht, kämpfen wir nicht nur gemeinsam, sondern genießen auch gemeinsam Sport und Freizeit. 
Es braucht uns mehr denn je. Die Parteien haben für die Herausforderungen unserer Zeit immer weniger Antworten. Ihre Kraft schwindet. Somit ist es an der Zivilgesellschaft, gesellschaftliche Alternativen zu formulieren – zur Politik der Abschottung, zur Umverteilung von unten nach oben und zur rücksichtslosen Ausbeutung unseres Planeten.

Ein wichtiges Ziel der internationalen Naturfreunde-Arbeit ist es, die Werte unserer Bewegung wie zum Beispiel internationale Solidarität erlebbar zu machen und einen aktiven Beitrag zu leisten, etwa mit dem Naturfreunde KlimaFonds oder auch mit der Landschaft des Jahres im Grenzgebiet von Senegal und Gambia. Wie wichtig ist aus deiner Sicht internationales Engagement für eine Bewegung wie die Naturfreunde?
Ich finde das globale Engagement sehr wichtig, aus zwei Gründen: Erstens machen Klimawandel und erschöpfte globale Ressourcen nicht an Grenzen halt – es sind globale Probleme, die sich nur in einer gewaltigen globalen Kraftanstrengung lösen lassen. 
Zweitens ist Solidarität unser zentraler Wert und Solidarität kann keine Grenzen kennen, wenn sie ernst genommen wird. Denn die Ausgrenzung, die Begrenzung von Unterstützung nur auf bestimmte Menschengruppen ist zutiefst unsolidarisch. Weil wir alle Menschen sind, wollen wir an Rechten gleich und frei sein. Unsere Vielfalt ist unser Reichtum.

NaturFreunde Deutschlands

(Juli 2018)


 

 

Ciprian CostaCiprian Costa |  Präsident Naturfreunde Rumänien

Ciprian Costa ist Präsident der rumänischen Naturfreunde und hat vor Kurzem an einem
internationalen Naturfreunde -Workshop zu barrierefreien Sportangeboten in Wien teilgenommen. Im Gespräch erzählt er von seinen bisherigen Höhepunkten in der Naturfreundearbeit und von seinen Visionen für die nächsten Jahre.

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Du bist schon seit vielen Jahren für die Naturfreunde Rumänien aktiv. Wie bist du zu den Naturfreunden gekommen und was hat dich bewogen, dich all die Jahre zu engagieren? Was waren bisher deine beeindruckendsten Momente bei Prietenii Naturii Romania?
Vor 25 Jahren, während meines Studiums in Timisoara, war ich Mitglied bei einem Gebirgsverein, einem Partner der NFI. Mir gefiel das Motto "Natur & Kultur" und das Angebot an Aktivtäten, aber ich schätzte es auch, ein Mitglied der "großen Naturfreunde-Familie" zu sein. Daher war einer der wichtigsten Momente für mich, als Rumänien ein A-Mitglied der NFI wurde.  
Weitere wichtige Schritte und Projekte waren: die Auszeichnung für Cabana Codin beim Klima-Wettbewerb, die Landschaft des Jahres Donau-Delta, zwei neue Mitgliedsorganisationen bei den Naturfreunden Rumänien, die Beteiligung des Banat-Gebietes im Projekt "Hiking Europe" – und 2017  haben wir auch ein neues Managementsystem für unsere Mitglieder eingeführt.

Prietenii Naturii Romania ist einer der kleinen Mitgliedsverbände der NFI. Was bedeutet es für euch, Teil der internationalen Naturfreunde-Bewegung zu sein? Wie bringt ihr euch ins internationale Netzwerk der NFI ein – und wie profitiert ihr davon?
Wir sind eine kleine Organisation im Westen des Landes und haben ein Naturfreundehaus. Unsere Mitglieder sind in Kontakt mit Naturfreunde-Organisationen in ganz Europa. Wir nehmen an Workshops und Seminaren teil und stehen im stetigen Erfahrungsaustausch mit anderen Mitgliedern. Wenn unsere Mitglieder im Ausland unterwegs sind, nächtigen sie vorzugsweise in Naturfreunde-Häusern. 

Ihr nehmt dieses Jahr am Erasmus+ Projekt „Naturefriends Sports for all“ teil. Die Verbände sollen damit Tools in die Hand bekommen, mit denen sie Natursportangebote für Menschen mit Behinderungen entwickeln können. Der erste Workshop, an dem du auch teilgenommen hast, fand vor kurzem in Wien statt. Warum ist dir das Projekt wichtig?Mir hat das Projekt von Anfang an gefallen, und der erste Workshop in Wien war wirklich toll. In Rumänien sind Angebote für Menschen mit Behinderungen noch neu, es gibt noch kaum entsprechende Infrastruktur. Dieser Workshop war für uns der erste Schritt, um mehr über die Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen zu lernen und wie wir diese auch berücksichtigen können.

2028 – wo siehst du die Naturfreunde Rumänien in zehn Jahren? Was ist deine Vision, worauf freust du dich und welche Herausforderungen gibt es zu bewältigen?
In 10 Jahren? Nun, unser Ziel ist es, mindestens zehn Ortsgruppen mit jeweils mindestens hundert Mitgliedern zu haben sowie zehn Naturfreunde Häuser und ein größeres Angebot an Aktivitäten.
Berg frei!

Prietenii Naturii Romania

(Mai 2018)


 

 

Mamadou Diallo
© Doris Banspach

Mamadou Diallo | Generalsekretär der Naturfreunde Senegal (ASAN)

Mamadou Diallo, Generalsekretär der Naturfreunde Senegal (ASAN), hat in seiner Rede anlässlich der Eröffnung der Landschaft des Jahres Senegal/Gambia seine große Freude darüber zum Ausdruck gebracht, dass ASAN nun für die nächsten beiden Jahre im Mittelpunkt der internationalen Naturfreunde-Aktivitäten stehen wird. 
Im Gespräch mit der NFI erzählt er von der Bedeutung der Initiative für die Region und für seinen Verband und von seinen Visionen für die Zukunft.  

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In deiner Eröffnungsrede hast du deine Begeisterung über die neue Landschaft des Jahres Senegal/Gambia kundgetan. Neben sehr vielen TeilnehmerInnen aus der Region und den Nachbarländern sind auch über 40 NaturfreundInnen aus Europa angereist, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen und im Anschluss die Region kennen zu lernen. Was bedeutet diese große Aufmerksamkeit für die Naturfreunde Senegal?
Für uns, die Naturfreunde Senegal, ist es eine große Ehre und ein Zeichen der Freundschaft und der Wertschätzung, die uns die NFI entgegenbringt. Die Organisation der "Landschaft des Jahres" 2018/2019 den Naturfreunden Senegal, einer afrikanischen Naturfreunde-Organisation, anzuvertrauen, ist in der Tat eine Premiere in der Geschichte der Naturfreunde-Bewegung. Ihr gebt uns erneut die Gelegenheit, unseren Dank an die Verantwortlichen der NFI sowie an die zahlreichen TeilnehmerInnen, die aus Europa und Afrika angereist sind, auszusprechen – sie haben die offizielle Eröffnung der Landschaft des Jahres durch ihre Anwesenheit bereichert.

Was sind für dich die Besonderheiten der Region, die du den BesucherInnen gerne vermitteln möchtest?
Wie ihr wisst, gibt es im Senegal viele Dinge zu entdecken, es ist ein Land mit großer Biodiversität, mit vielen verschiedenen Ökosystemen, mit vielen außergewöhnlichen Touristenattraktionen und einer lebendigen Kultur. Außerdem sind die SenegalesInnen, auch gerade wegen ihrer ethischen und sprachlichen Vielfalt, ein wunderbares Volk, sehr gastfreundlich und sehr offen. Im Rahmen unserer Aktivitäten haben wir mehrere sehr interessante Ökotouren für TouristInnen zusammengestellt, die wir unseren Gästen ans Herz legen. 
Abgesehen von den unterschiedlichen geographischen Zonen, die unser Land umfasst, wäre es für TourstInnen interessant, die Insel Gorée zu besuchen, ein Zeugnis jahrhundertelanger Sklaverei und des Sklavenhandels, oder den See Lac Rose, die verschiedenen Museen in der Hauptstadt, die Kunstmärkte und das Denkmal der Wiedergeburt Afrikas. Diejenigen, die in der Nähe von Dakar bleiben möchten, können das Reservat Bandia besuchen, und dort Giraffen, die Riesen-Elenantilope, verschiedenste andere Antilopenarten, Affen, Büffel usw. zu beobachten; sie können auch den Badeort Saly besuchen, auf dem Weg dorthin kommen sie bei Poponguine vorbei und an den Wäldern mit Affenbrotbäumen (Baobab), den Bäumen, die alles heilen. 
Auf der Nordtour können die BesucherInnen Saint Louis entdecken, die alte Hauptstadt Senegals und Weltkulturerbe, mit seinen historischen Monumenten (Hotel Mermoz, Brücke Faidherbe, Gouverneurspalast), dem Fischerdorf Goxxu Mbathie, die Langue de Barbarie, die farbenfrohe und
lebhafte Rückkehr der Fischer, die traditionellen Dörfer der Mauren und Peulhs, und nicht zu vergessen das Reservat Gueumbeul und den Vogelpark von Dioudj, dem weltweit dritten nationalen Vogelschutzgebiet mit seinen Tausenden Vögeln und Pelikanen.
Jene, die sich für Religion interessieren, können Tivaouane, die Hauptstand von Tidjanisme, besuchen sowie Touba, die Hauptstadt von Mouridisme und Kaolack, die Hauptstadt von Niassènes, … Alle, die sich für die großartige Natur und Kultur interessieren, sollten die Regionen Tambacounda und La Casamance nicht verpassen.
Für die Tour d´Horizon in diesem Jahr haben wir den NaturfreundInnen vorgeschlagen, die Grenzregion zwischen Senegal und Gambia zu besuchen. Hier kann man "Senegambia" entdecken, mit seinem besonderen Ökosystem – eine geographische Region mit großer biologischer Vielfalt, vielfältiger Kultur und unterschiedlichsten Menschen.


Ziel der Landschaft des Jahres ist es immer auch, konkrete Aktivitäten zu initiieren, die zu einem besseren Leben für die Bevölkerung beitragen. Was ist deiner Meinung nach notwendig, damit dies gut gelingt?
Die Durchführung des Programms wird zur Erhaltung unserer Natur, zum Kampf gegen den Klimawandel, zur Erhöhung der Biodiversität, aber vor allem zur Stärkung des Ökotourismus beitragen. Tatsächlich ist die Aufforstung mit Bäumen, die mehrfach genutzt werden können, in den Concessions (Familiengärten) geplant: Bäume mit viel Laub, die Schatten spenden, Obstbäume, um Mangelernährung zu bekämpfen und das Einkommen der Familien aufbessern, Bäume, die Brennholz liefern und so der Abholzung Einhalt gebieten, Bäume, die medizinisch von traditionellen Heilern genutzt werden – kurz gesagt, eine Aufforstung, um CO2 zu binden und damit gegen die Klimaerwärmung und den Klimawandel zu kämpfen.
Ebenso ist es eine Gelegenheit für die Bevölkerung, wieder ihr lokales kulturelle Erbe zu besuchen. Wenn Sie in Kontakt mit der vielfältigen Bevölkerung Senegals kommen, werden Sie den Reichtum und die Vielfalt ihrer Kultur bewundern. Nach der afrikanischen Tradition und der senegalesischen "Teranga" (Gastfreundschaft) werden Sie Ihre GastgeberInnen dazu bringen, Mbalakh, Yela, Ndawrabine, Sawrouba usw. zu tanzen, im Rhythmus von Tamtam, Kora, Balafon, Riti etc. Mit dem Kankourang Festival in Gambia werden die Schutzgeister aus dem heiligen Wald kommen, nicht nur, um zu tanzen und die Naturfreunde willkommen zu heißen, sondern sie werden auch auf ihre Weise zum Erfolg der "Landschaft des Jahres" beitragen.

Nach der sehr erfolgreichen ersten Reise durch die Landschaft des Jahres werden bereits einige weitere Reisen geplant. Welche Bedeutung hat der Tourismus für die Region und was ist notwendig, damit die Bevölkerung auch wirklich vom Tourismus profitiert?
Der Tourismus ist ein Wirtschaftsfaktor, von dem die lokale Bevölkerung profitiert. Er kann dazu beitragen, dass die jungen Menschen in der Region bleiben und dass die illegale Emigration, mit so verheerenden Folgen wie langen  Irrfahrten, dem Verlust von Menschenleben in der Wüste und im Meer sowie moderner Sklaverei in Libyen und in anderen Ländern, eingedämmt wird. Dennoch sollte die Bevölkerung unterstützt werden, damit sie wirklich vom Tourismus profitieren kann. Zu diesem Zweck wäre es gut, dass Touristenunterkünfte in den Dörfern geschaffen würden, dass lokale Künstler den Besuchern ihr Kunsthandwerk als Souvenirs anbieten könnten, dass Frauen in der Landwirtschaft, in der Verarbeitung von lokalem Obst, Gemüse und Getreide sowie in der Gastronomie geschult und angestellt würden.

Die Naturfreunde Senegal blicken wie auch andere afrikanische Naturfreundeverbände auf eine sehr positive Verbandsentwicklung in den letzten Jahren zurück. Was ist für dich das Erfolgsrezept für eine gute Zukunft für die Naturfreunde? Und welche Bedeutung hat für dich dabei die Internationalität unserer Bewegung?
Es gibt kein Rezept, das Wunder bewirken kann. Nur die Arbeit zählt. Wir müssen erkennen, dass wir – wie ich meine – von drei Hauptfaktoren profitieren: 1. das Vorbild eines wunderbaren Mannes, dem verstorbenen Presidenten Alioune DIAGNE MBOR, der mit seiner Weisheit, Voraussicht und Bekanntheit die Gruppe geeint und uns viele Türen geöffnet hat. 2. in ihren Bereichen kompetente Mitglieder, die dynamisch und engagiert sind und auf freiwilliger Basis arbeiten. 3. seriöse, großzügige Partner, die genauso engagiert sind wie wir, wie die Naturfreunde Internationale, die bereit waren, uns zu begleiten und mit uns die Herausforderung anzunehmen. Ich persönlich bedauere es nicht, mir in der Vergangenheit die Freiheit genommen zu haben, die Naturfreunde Frankreichs und die NFI um eine Partnerschaft mit ASAN zu bitten.

Die Internationalität der Naturfreunde-Bewegung ist sehr wichtig, da sie Ausdruck einer gemeinsamen Vision ist, mit gemeinsamen Werten, Botschaften und konkreten Initiativen für den Umweltschutz, gegen den Klimawandel, gegen die Armut, zur Förderung des Ökotourismus und der internationalen Solidarität unter den Völkern. Eure Anwesenheit hier, gerade in diesen Zeiten der Spannungen auf der ganzen Welt, wird sicherlich zum gegenseitigen Verständnis und zur Annäherung der Völker und zum Frieden auf der Welt beitragen.

Association Sénégalaise des Amis de la Nature (Facebook)

(Februar 2018) 


 

 

Manfred PilsManfred Pils | Präsident der Naturfreunde Internationale 

Der Österreicher Manfred Pils wurde am 21. Oktober 2017 vom Kongress der Naturfreunde Internationale in Lage Vuursche in den Niederlanden als Präsident des internationalen Dachverbandes wiedergewählt. Die MitarbeiterInnen der NFI gratulieren herzlich zur Wiederwahl! 
Im Gespräch erzählt Manfred Pils von seinen Visionen für die Zukunft der Naturfreundebewegung, von aktuellen Herausforderungen und seinen persönlichen Zielen.  

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In Bonn ist vor Kurzem die 23. Klimakonferenz zu Ende gegangen. Auch der Kongress der Naturfreunde Internationale stand unter dem Motto "Klimagerechtigkeit leben! Solidarisch in eine gute Zukunft!". Der Schutz des Klimas und die Klimagerechtigkeit sind also zentrale Themen der internationalen Naturfreunde-Bewegung. Was sind für dich in diesem Zusammenhang die größten Herausforderungen, wie kann ein umfassender Klimaschutz gelingen? Wie sieht eine klimagerechte Welt aus? Und was kann und wird die Naturfreunde Internationale dazu beitragen?
Der Klimaschutz muss bei den Hauptursachen ansetzen. Hier geht es vor allem um die radikale Reduktion der CO2-Emissionen in den westlichen Industriestaaten sowie in den Schwellenländern – dies betrifft im Wesentlichen die Bereiche Energiegewinnung, Verkehr, Industrie und Heizen. Die Technologien sind vorhanden, wir müssen sie nur einsetzen und das wird auch die Wirtschaft befördern. Parallel dazu müssen wir jenen, die vom Klimawandel jetzt schon massiv betroffen sind, ohne ihn mitverursacht zu haben – nämlich den Menschen in den Ländern des globalen Südens –, helfen, die negativen Folgen des Klimawandels abzuschwächen. Das bedeutet, dass beispielsweise Aufforstungsprojekte, notwendige bauliche Maßnahmen zur Stabilisierung von Küstenzonen, Projekte zur Wasserversorgung und zur Bewässerung, aber auch notwendige Umsiedlungen finanziert werden müssen.
Dazu brauchen wir gelebte Solidarität auf internationaler Ebene – und das ist genau das, wofür die NFI eintritt und wofür sie Verständnis schaffen will. Und natürlich müssen wir Naturfreunde auch selbst aktiv zur Klimagerechtigkeit beitragen, wie wir es bereits mit verschiedenen Projekten tun – z.B. mit Baumpflanzungen in Senegal und Gambia, die über den Naturfreunde Klimafonds finanziert werden. 

Die Naturfreunde stehen derzeit vor großen Herausforderungen. Zentrale Themen für viele nationale Verbände sind etwa die Erhaltung der Hütten und Häuser und die Anpassung der Angebote für Mitglieder an neue gesellschaftliche Entwicklungen. Zugleich kämpfen viele Verbände mit einem Rückgang der Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und nationalen Förderungen. Was sind deine Visionen für eine erfolgreiche Zukunft der Naturfreunde Bewegung?
Die NFI ist weit davon entfernt, ihren Mitgliedsverbänden gute Ratschläge zu geben. Aber die gemeinsame Klammer der Naturfreunde ist der nachhaltige Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen, das gemeinsame Erlebnis in der Natur und die Internationalität. Wir verbinden Freizeiterlebnisse mit progressivem Engagement für eine nachhaltige Gesellschaft. Das ist für mich das Besondere an unserer Bewegung, das wir verstärkt in den Vordergrund stellen sollten. Wenn wir mit einem modernen, zeitgemäßen Profil Menschen für unsere Bewegung gewinnen, dann können wir unsere Bewegung erneuern und zukunftsfähig machen.  
 
 Wie kann die Naturfreunde Internationale deiner Meinung nach dazu beitragen, dass diese Visionen verwirklicht werden? Und welche persönlichen Ziele hast du dir als Präsident der Naturfreunde Internationale für die kommenden drei Jahre gesteckt?
Die Naturfreunde Internationale ist das internationale Aushängeschild der Naturfreunde-Bewegung – eine ganz wichtige Funktion zur Verbreiterung der Bewegung. Unsere Stärke ist die Vielfalt der Naturfreunde, die Kreativität und das Engagement vieler ehrenamtlicher Funktionäre und Funktionärinnen. Hier wollen wir zu mehr Austausch und Bereicherung beitragen, aber auch zeigen, dass Internationalität ein wichtiger Wert in einer globalen Gesellschaft ist – sowohl für das einzelne Mitglied, als auch für das politische Engagement der Naturfreunde, wie z.B. unser Einsatz für die Klimagerechtigkeit.  
Gerade jetzt, in einer Zeit, wo die internationale Politik verstärkt von nationalstaatlichen Interessen getrieben wird und die Grundwerte unserer Gesellschaft mehr und mehr in Frage gestellt werden, braucht die NFI die volle Unterstützung ihrer Mitgliedsverbände – damit wir mit einer starken Stimme sprechen, die gehört wird. Das steht im Zentrum meiner Arbeit für die nächsten drei Jahre. 

(November 2017) 


 

 

Günther Abraham
© Fugler/Graz

Mag. Günter Abraham | Geschäftsführer der Naturfreunde Österreich 

Seit Anfang Juli 2017 ist Günter Abraham neuer Bundesgeschäftsführer der Naturfreunde Österreich. Er folgt Reinhard Dayer, der den Verband 44 Jahre lang sehr erfolgreich geführt hat. Im Gespräch mit Andrea Lichtenecker erzählt Günter von seinen Beweggründen für sein Engagement für die Naturfreunde und von seinen Zukunftsplänen.

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Du blickst auf eine vielfältige Karriere zurück. Was hat dich dazu bewogen, dich für die Stelle des Geschäftsführers der Naturfreunde Österreich zu bewerben?
Ich habe in Unzmarkt in der Steiermark eine wunderschöne Kindheit verbracht. Meine Eltern leben beide naturverbunden und haben ihre Begeisterung an uns Kinder weitergegeben. Die Naturfreunde begeistern mich als Bewegung, die sich dem Erhalt der Umwelt ebenso verschrieben hat wie der sportlichen Betätigung in der Natur. In meinen bisherigen beruflichen Tätigkeiten habe ich mich als Büroleiter von Umweltlandesrat Manfred Wegscheider und als Leiter des Fitreferates der ASKÖ Steiermark immer mit Sport und Umweltfragen befasst. Beide Themenschwerpunkte interessieren mich außerordentlich. Als die Bundesgeschäftsführung der Naturfreunde Österreich ausgeschrieben wurde wusste ich, dass ich meiner Leidenschaft folgen muss, und habe mich beworben!
 
Die Naturfreunde Österreich sind der mitgliederstärkste Verband innerhalb der internationalen Naturfreundefamilie. In Zeiten, in denen viele andere Naturfreundeverbände mit rückgängigen Mitgliederzahlen kämpfen, ist es in Österreich gelungen, den Mitgliederstand auf einem stabilen Niveau zu halten. Dennoch stehen auch die Naturfreunde Österreich vor großen Herausforderungen – was sind für dich die Prioritäten für die nächsten Jahre?
Ich habe mir zu Beginn meiner Tätigkeit einige Ziele gesetzt: Ich möchte die Naturfreunde für alle Generationen attraktiver machen, vor allem für die junge. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wichtig es ist, Kinder bereits in ihren frühen Jahren für die Natur und den Naturschutz zu sensibilisieren. Ich habe oft genug miterlebt, wie viel Spaß Kinder dabei haben, die Natur als Lebensraum zu entdecken und zu erkunden. Ich werde mich für ein kompetenzorientiertes Lernen einsetzen – für ein Lernen draußen, in der Natur und mit ihr.
Neben Kooperationen mit Schulen wird einer meiner Arbeitsschwerpunkte in der Erhaltung der alpinen Infrastruktur liegen. Die Naturfreunde betreuen in Österreich ca. 15.000 Kilometer Wanderwege und rund 140 Hütten. Der Aufwand, dieses enorme Netzwerk instand zu halten, ist fast unvorstellbar.
Neue Kletter- und Boulderhallen, Innovationen im technologischen Bereich, Bildungs-angebote im Umwelt- und Naturschutz, aber auch ein modernes Hüttenmanagement sollen dazu beitragen, die Mitgliedschaft bei den Naturfreunden attraktiv zu machen. Wir werden diese Ziele durch Teamgeist und Zusammenarbeit erreichen!
 
Die Naturfreunde werden von vielen als reiner Freizeit- und Wanderverein wahrgenommen. Die Positionierung zu politischen Themen hat in den einzelnen Landesverbänden einen unterschiedlich hohen Stellenwert und auch die Themen variieren von Gesellschaftspolitik über Freihandel bis hin zu Wegefreiheit. Was sind deine Vorstellungen für die politische Arbeit der Naturfreunde?
Wir werden uns weiterhin dafür stark machen, dass der freie Zugang zur Natur mit dem freien Wegerecht im Wald und in Alpinregionen für alle Bevölkerungsschichten möglich ist, unabhängig von den finanziellen Verhältnissen. Es kommt immer wieder zu Konflikten zwischen Erholungssuchenden und Grundeigentümern. Wir wollen mit unseren Broschüren und Beiträgen in den Medien auch weiterhin die gesetzlichen Grundlagen kommunizieren und dort, wo es aus unserer Sicht notwendig ist, Forderungen stellen. So stehen wir für eine Öffnung der Forststraßen für alle Mountainbiker in Österreich – ein rechtlicher Standard, der in vielen benachbarten Ländern bereits erreicht ist!
Die Naturfreunde werden ihrer Rolle als Interessensvertretung für Mensch und Natur auch in der Zukunft gerecht werden. Freier Zugang zur Natur, darunter auch der freie Zugang zu Österreichs Seen, darf nicht eingeschränkt, sondern muss erweitert werden! Unser Gruß „Berg Frei!“ ist Ausdruck dafür, alle Versuche, die das freie Wegerecht beschneiden, mit aller Kraft zu bekämpfen.

In deiner Antrittsrede hast du ein sehr schönes afrikanisches Sprichwort verwendet: „Wenn du schnell gehen willst, dann gehe alleine. Wenn du weit kommen willst, dann gehe mit anderen gemeinsam.“ Das gemeinsame Miteinander ist nicht nur zentrales Element der Naturfreundeaktivitäten, sondern prägt auch die Zusammenarbeit der internationalen Naturfreundebewegung. Welchen Stellenwert hat für dich Internationalität in Bezug auf die Naturfreunde?
Ich bin ein glühender Europäer. Die internationale Zusammenarbeit in einem vereinigten Europa halte ich für eine besonders wichtige Aufgabe. So wie wir in Familien, Ortsgruppen, und auch in Gemeinden zusammenarbeiten, so würde ich mir die Naturfreunde zukünftig auch im internationalen Kontext wünschen. Dass wir unseren Weg eben alle gemeinsam gehen.

Naturfreunde Österreich

(Juli 2017)


 

 

Fotos Urs Wüthrich_PelloliUrs Wüthrich-Pelloli | Präsident der Naturfreunde Schweiz 

Seit 13. Mai 2017 steht Urs Wüthrich-Pelloli an der Spitze der Schweizer Naturfreunde. Der Bildungspolitiker und ehemalige Regierungsrat startet sein Amt mit großen Plänen. Im Gespräch erzählt Urs von seinen Beweggründen für sein Engagement für die Naturfreunde und von seinen Vorstellungen für die Zukunft des Verbandes.

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Du blickst auf eine langjährige politische Karriere zurück. Was hat dich dazu bewegt, dich nun für die Naturfreunde zu engagieren?
Ich leiste als Privatperson schon lange einen Beitrag zu einer intakten Mitwelt und bin seit den 1980er-Jahren Mitglied bei den Naturfreunden. Zu diesem Verein habe ich einen dreifachen Bezug. Einen geschichtlichen, weil die Naturfreunde aus der Arbeiterbewegung entstanden sind, wo ich auch herkomme. Einen sportlichen, weil ich mich für den Sport engagiere und gerne wandere. Und ich habe einen Wertebezug, weil ich meine, dass Freunde der Natur für diese auch Verantwortung übernehmen müssen.

Die Naturfreunde werden von vielen immer noch als reiner Freizeit- und Wanderverein wahrgenommen. Die politische Arbeit hat in den einzelnen Landesverbänden einen unterschiedlich hohen Stellenwert. Ebenso werden auf nationaler Ebene ganz unterschiedliche Themen angesprochen – von Atomkraft über Freihandel bis hin zu Wegefreiheit. Was sind deine Vorstellungen für die politische Arbeit der Naturfreunde?
Für mich ist es unverzichtbar, dass sich die Naturfreundebewegung bei politischen Fragen zu Natur und Landschaft wieder einmischt. Damit meine ich ausdrücklich nicht, dass die Naturfreunde zu einer politischen Partei werden oder sich nicht von einer solchen instrumentalisieren lassen. Aber die Naturfreunde müssen klar wieder ein politisches Profil erhalten und sich als Verbündete von Organisationen positionieren, die sich für nachhaltige Entwicklung und „Freunde der Natur“ engagieren.
 
Die Naturfreundebewegung steckt momentan in einer schwierigen Phase. Viele nationale Verbände kämpfen seit etlichen Jahren mit rückgängigen Mitgliederzahlen und dem Verlust von staatlichen Zuschüssen – etwa für die Erhaltung ihrer Häuser. Wie möchtest du hier auf nationaler Ebenen gegenwirken?
Die Entwicklung unserer Mitgliederzahlen und die Altersstruktur verschiedener Ortsgruppen machen deutlich, dass große Defizite in der Nachwuchssicherung aufgeholt werden müssen. Verschiedene Sektionen leben erfolgreich vor, dass Erneuerung in Kontinuität möglich ist. Ich bin zuversichtlich, dass dieser Erfolg ansteckend ist.
Ein für mich sehr wichtiges Thema ist die erfolgreiche und zukunftstaugliche Bewirtschaftung unserer Naturfreundehäuser. Hier müssen wir das unverzichtbare ehrenamtliche Engagement mit den Ansprüchen erhöhter Professionalität in Einklang zu bringen.
Und wie erwähnt, hat für mich persönlich die inhaltliche Profilierung und die politische Positionierung der Schweizer Naturfreunde große Priorität. Ich betrachte die Entpolitisierung unserer Bewegung als verhängnisvolle Entwicklung, eine Entwicklung, die Verlust von Identität, Profil und Alleinstellungsmerkmal bedeutet und die dazu führt, dass unsere Leitideen und Werte Worthülsen und wirkungslose Absichtserklärungen bleiben.
 
Du hattest in den vergangenen Jahren zahlreiche internationale Ämter inne, etwa die Schweizer Delegationsleitung und das Präsidium der Deutsch-Französisch-Schweizerischen Oberrheinkonferenz sowie die Vertretung der Schweiz im Kongress des Europarates und in der Versammlung der Regionen Europas. Welchen Stellenwert hat für dich Internationalität – gerade auch in Bezug auf die Naturfreunde-Bewegung?

Ich habe die grenzübergreifenden Begegnungen immer wieder als Bereicherung und unverzichtbare Voraussetzung für das gegenseitige Verständnis erlebt. Nur der Austausch unterschiedlicher Meinungen und Erfahrungen und die Auseinandersetzung mit Betrachtungsweisen aus einem andern Blickwinkel sorgen für gesellschaftliche Entwicklung und Stabilität. Gerade in einer immer stärker globalisierten Welt müssen sich Bewegungen wie die Naturfreunde über Landesgrenzen hinweg zu starken Netzwerken verbünden, wenn ihre Stimme bei den internationalen Entscheidungsträgern gehört werden soll. Konsequenterweise begrüße ich die Arbeit der NFI und freue mich darauf, dieses Engagement mit meinen Erfahrungen zu unterstützen.

Naturfreunde Schweiz

(Mai 2017)