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Veranstaltung „Kommunikation von CSR im Tourismus: Wahrheit oder Lüge ?“ (© Christian Mikes)
Veranstaltung „Kommunikation von CSR im Tourismus: Wahrheit oder Lüge ?“ (© Christian Mikes)

Veranstaltung „Kommunikation von CSR im Tourismus: Wahrheit oder Lüge ?“

Nachlese zur Veranstaltung des Travel Industry Club Austria in Kooperation mit der Naturfreunde Internationale – respect und ECPAT Österreich am 26. September 2016 im Hotel Le Merdien, Wien

Am Beginn der Veranstaltung stand ein Impulsreferat von Stephanie Blutaumüller, Expertin für nachhaltigen Tourismus, die das Thema „CSR & Kommunikation“ aus Sicht der beiden mitveranstaltenden NGOs – Naturfreunde Internationale – respect und ECPAT Österreich – beleuchtete und kritische Fragen aufwarf.


Stephanie Blutaumüller betonte, dass CSR auf den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales beruht. Es gilt, diese gleichwertig zu gewichten. Doch manchmal hakt es bei allen dreien und meist ist das Verhältnis nicht ausgeglichen. Daher stellt sich die Frage, wie Schwächen und Herausforderungen kommuniziert werden, um sich nicht den Vorwurf des „Greenwashings“ gefallen lassen zu müssen. Und: Gibt es Wege, die Kommunikation transparent zu gestalten und trotzdem Reputation und Image zu stärken? Gerade im Tourismus ist es wichtig, das Vertrauen der KundInnen zu gewinnen und es nicht zu enttäuschen – ist doch das Vertrauen ein wichtiger Faktor bei der Kaufentscheidung.


Viele große und kleine Unternehmen haben bereits CSR-Strategien und CSR-Abteilungen und erstellen Nachhaltigkeitsberichte. Doch die PR-Aktivitäten sind nicht auf die EndkundInnen abgestimmt. Wo ist also CSR in der Kommunikation von Produkten und der direkten Kommunikation mit den KundInnen? Obwohl sich das Engagement im CSR- Bereich auf der Webseite befindet, wird selten erklärt, warum das Produkt sich „verantwortungsbewusst“ gestaltet. Und große Buchungsplattformen  haben meist keine Kategorien, um eine „verantwortungsbewusste“ Reise zu gestalten.


Kann und will also die Tourismusindustrie einen Beitrag leisten, um die Nachfrage nach verantwortungsbewussten Reisen zu erhöhen, und damit auch die CSR-Performance stärker ins Blickfeld zu stellen? Oder könnte es sein, dass das Risiko zu groß ist, auch Schwächen kommunizieren zu müssen und noch nicht ganz klar ist, wie man sich dieser Herausforderung am besten stellt?

 

Foto der Podiumsgäste

Podiumsdiskussion mit:
Eva Buzzi, Geschäftsführerin von ÖBB Rail Tours, Marion Stemmler, CSR-Managerin bei AccorHotels, Kerstin Dohnal, CEO Destination Development, Karin Huber-Heim, CSR-Beraterin csr and communication; Moderation: Dr. Wilfried Seywald, Geschäftsführer Temmel, Seywald & Partner Communication GmbH und Vizepräsident des Travel Industry Club Austria;
Foto: Christian Mikes
 

Bezugnehmend auf den provokanten Untertitel  – Lüge oder Wahrheit? – waren sich alle Diskutantinnen einig:  Lügen zahlt sich nicht aus, denn die KonsumentInnen kommen dahinter und bestrafen es.
„Bei der Kommunikation von CSR geht es um Glaubwürdigkeit und Transparenz“, betonte Karin Huber-Heim, Managing Director csr-and-communication.com. Es reicht nicht, sich mit Gütesiegeln zu schmücken, sondern die CSR-Politik muss für den Gast sicht- und vor allem erlebbar sein. „CSR braucht Mut zur Veränderung“, ist Karin Huber-Heim überzeugt. Nicht zuletzt ist CSR ein Driver für Innovation.


Eva Buzzi, Geschäftsführerin von ÖBB Rail Tours, ergänzte, dass CSR zudem authentisch sein muss. Für sie hat CSR auch viel mit einem gesunden Egoismus zu tun – schließlich kümmert man sich um die Umwelt, weil man in ihr leben will.


Kerstin Dohnal, CEO Destination : Development, kritisierte das Ganz-oder-gar-nicht-Prinzip, denn das ist ihrer Meinung nach das Gift in der Kommunikation. Sie betont, dass 100% nachhaltig eine Illusion ist und es viel mehr um den CSR-Prozess selbst geht, der initiiert und verfolgt wird.


„Die Nachhaltigkeitsstrategie muss Bestandteil der Unternehmensstrategie sein“, so Marion Stemmler, Manager Corporate Social Responsibility & PLANET 21, AccorHotels. Wie das in der Praxis funktioniert, erklärte sie anhand des PLANET 21-Programms von Accor. Dieses umfasst alle Unternehmensbereiche, von der Reduktion von Lebensmittelabfällen, über Glühbirnen bis hin zum Kinderschutz und ökologischen Wiederaufforstungsprojekten. Frau Stemmler strich heraus, dass es wichtig ist, zuerst die CSR Philosophie im Unternehmen, also nach innen, zu verankern, ehe darüber nach außen kommuniziert werde. Außerdem müssen die MitarbeiterInnen an Board geholt werden. „Nachhaltigkeit hat viel mit der MitarbeiterInnen-Entwicklung zu tun“, so Stemmler.


Einig waren sich alle, dass externe Kommunikation von CSR-Maßnahmen nur Sinn macht, wenn auch etwas dahinter steht. Uneinig blieben sich die Podiumsgäste bei der Frage, ob die Nachfrage nach entsprechenden Tourismusangeboten steigen wird und inwieweit KundInnen bereit sind, dafür mehr zu zahlen.